
Die neue Ausgabe ist seit 29. Oktober 2009 im Bahnhofsbuchhandel und über Internetbestellung erhältlich.

Dr. Günter Baumgart, 27.03.2007

Editorial zur Ausgabe April 2007
Die Vegetation der Zeitschriftenlandschaft, liebe Leser, ist, wie Sie täglich an den Kiosken sehen können, mehr als üppig. Mindestens als abenteuerlustig muss daher einer gelten, der es wagt, in diesem überquellenden Dschungel ein weiteres Pflänzchen wurzeln zu lassen. Genau das aber wollen wir tun mit der Publikation, die Sie in Ihren Händen halten.
O.K., werden Sie vielleicht sagen, aber wozu diese neue Zeitschrift?
Nomen est omen, heißt es, der Name tut die Bedeutung kund. Wenn sich also ein Journal „PROVOkant“ nennt, muss man annehmen, dass es provozieren möchte. Ja, so ist es, auch wenn uns dabei jede Aggressivität fremd ist und auch fremd bleiben wird. „PROVOkant“ will herausfordern, will anregen, will ermutigen. Sie will ihre Leser einladen, sich einzubringen in die große und so notwendige gesellschaftliche Verständigung über den Zustand unserer Welt. „PROVOkant“ möchte Sie auffordern, ungeachtet gewohnter Tabus darüber nachzusinnen, wie unser Leben weitergehen soll, und nicht länger darauf zu warten, was andere mit Ihnen vorhaben. „PROVOkant“ will Ihnen Mut machen, allzu Übliches in Frage zu stellen, möchte Sie dazu bewegen, Ihre ganz persönlichen Anregungen zu geben für notwendige Veränderungen und sich herauszuwagen in die freimütige Auseinandersetzung und den kulturvollen Streit. „PROVOkant“ will Sie einladen, fortan nicht hinterm Berg zu halten mit Ihren Standpunkten, Ihren Visionen und Wünschen, Ihren Kritiken, ja auch mit Ihrem Zorn. Deshalb fühlen wir uns gehalten, Sie mit jeder Ausgabe dieser Zeitschrift ein wenig aus der Ruhe zu bringen - ohne zu ängstigen, vielmehr aufzumuntern, vielleicht sogar zu begeistern für die angenehme Verlockung zum Denken.
Bei all diesem Unterfangen werden wir erklärtermaßen nicht diejenigen sein, die Antworten geben. Von unserer Seite aus soll vor allem gefragt werden. Es gibt Nachrichtenmagazine, wir indes wollen in erster Linie eine Interviewzeitschrift sein. Wir werden immer auf der Suche sein nach Gesprächspartnern, die im Verständnis des Establishments „aus der Art schlagen“, die in sich Kompetenz mit Unvoreingenommenheit vereinen, Originalität mit gesichertem Wissen. Ganz in diesem Sinne fragen wir in unserer ersten Ausgabe, in welcher Richtung wohl das Gesundheitswesen verändert werden muss, sofern mühselige Reformen sich nicht, wie bisher, darin erschöpfen sollen, einen immer gierigeren Moloch zu bedienen. So erkunden wir ferner Wege, die Krebskranke wieder mit berechtigter Hoffnung gehen können, wenn sie konventionelle Therapien als Strudel erleben, dem sie entrinnen wollen. Und wir beleuchten unter anderem auch ein vernünftiges Experiment, das unserem Arbeitsmarkt, ohne dies zu wollen, die rote Karte zeigt, weil er bar jeden Gefühls und massenweise seine eigenen Kinder aussetzt.
Die Gedanken, denen auf diesen mehr als 40 Seiten Raum gegeben wird, können der Realität kein neues Gesicht geben. Jedenfalls nicht heute, und auch nicht morgen. Aber sie können und sollen Anstöße geben, kleine Anstöße, die sehr wahrscheinlich auf lange Sicht die Kraft haben, auch große Lösungen zu bewirken. Ganz in diesem Sinne wollen wir provokant sein.