Neue Ausgabe Oktober/November/Dezember 2009

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Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Gesundheit

Omas Wärmflasche mit moderner Technik

08.03.2007


Interview mit Prof. Wolfgang Schmidt, Uni Greifswald, über Entwicklung einer Infrarot-Wärmetherapie

"Von der Stirne heiß rinnen muss der Schweiß…" lesen wir noch bei Schiller. Heute "schwitzen" hierzulande mehr die Maschinen und  Computer. Uns blieben Stress und Hektik. Die Palette der Möglichkeiten, unserem Organismus mit Wärme auf die Sprünge zu helfen, war schon immer groß, von der Wärmflasche bis zur Sauna. Ein  Forscherteam aus Greifswald, Rostock, Leipzig und Berlin entwickelte, unterstützt von der WEKA Holzbau Neubrandenburg, eine Kabine, mit der die Se­g­nungen wärmender Infrarot-C-Strahlung gleichsam ins eigene Schlaf­zimmer geholt werden können. Wir sprachen darüber mit  Prof. Dr. Wolfgang Schmidt, Greifswald.

Herr Professor, Sie sind von Hause aus Radiologe, haben also, wenn man so will, mit Hightech zu tun. Was bewog Sie, sich einem so alten Therapiekonzept zuzuwenden, wie es die Anwendung von Wärme ist?

Naturheilkunde hat bei mir schon sehr lange einen festen Platz. Und die muss sich durchaus nicht mit  moderner Technik beißen. Das beweisen z. B. die Flächenstrahler in unserer Kabine, die genau jenen Abschnitt der Infrarotstrahlung nutzbar machen, der dem wohltuend wärmenden Anteil der Sonnenstrahlung entspricht und dem natürlichen Wärmeprofil unseres Körpers besonders nahe ist. Die Menschen haben seit jeher, besonders wenn sie krank wurden, versucht, sich Wärme zuzuführen. Denn der Körper tut das, sofern er sich noch zu helfen weiß, meist selbst. Im Fieber, also einer Erhöhung der Körpertemperatur, erkannte schon Hippokrates ein Heilbestreben des Organismus, das ihn selbst reinige wie ein Feuer. Und Parmenides meinte sogar, alle Krankheiten durch Erzeugung von Fieber heilen zu können. Nun, das ist sicher ein wenig zu euphorisch. Auf jeden Fall wirft es ein bezeichnendes Licht auf die heutige Unsitte, bei Patienten, obwohl sie noch in der Lage sind, Fieber zu bekommen, dieses schleunigst herunterzudrücken und dafür mit den schweren Antibiotika-Geschützen zu feuern. Zum Glück setzen sich auch in der Medizin heute oft schon wieder die einfacheren Lösungen durch. Und die sind nicht die schlechtesten.

Wie funktioniert Ihre Wärmekabine?

In einem Satz gesagt: Wir nutzen den langwelligen Teil der In­fra­rot-C-Strah­­lung zur Ankurbelung des Schwitzens und zur Verbesserung der Mikrozirkulation des Blutkreislaufs, und zwar durch großflächige Emission dieser Strahlung in einer für den häuslichen Gebrauch geeigneten Holzkabine.

Dient nicht die Sauna dem gleichen Zweck?

Gewiss, doch in ihr wird die Wärme über die stark erhitzte Luft auf den Körper übertragen. Dieser so genannte konvektive Weg belastet den Kreislauf. Der Sauerstoffpartialdruck sinkt, weil, vor allem im oberen Teil der Sauna-Kabine, die Luft „dünn“ wird. Darum braucht der Saunierende bereits nach 8 bis 12 Minuten eine Erholungspause. In der Aktivit-In­fra­rot-Wärme­kabine hingegen ist selbst ein einstündiger Aufenthalt noch wohltuend und angenehm. Man verlässt sie danach frisch und munter.

Wie kann simple Wärme etwas bewirken, worum sich viele Therapeuten bemühen und was die Vielzahl der auf dem Markt befindlichen Medikamente offensichtlich nicht bewerkstelligt?

Die Menschen haben schon seit Jahrtausenden Wärme therapeutisch genutzt, obwohl sie die in unserem Körper damit verbundenen Mechanismen nicht kannten. Unsere diesbezüglichen Forschungen sind da auch noch nicht allzu weit. Eines ist aber klar: Die genannten Wirkungen rühren zum großen Teil daher, dass diese spezielle Wärmeanwendung die Transportbedingungen für all die genannten Prozesse entscheidend verbessert. Sind nämlich, wie bei vielen Menschen in unserer von Bewegungsmangel und Zivilisationsgiften geprägten Gesellschaft, die Transportwege unseres Organismus verstopft, kommt das normale, gesunde Leben in uns allmählich zum Erliegen. Am Institut für Mikrozirkulation in Berlin konnte gezeigt werden, wie eine träge Mikrozirkulation unter dieser Wärmetherapie wieder quicklebendig wird. Da scheinen verschwundene Kapillaren aus dem Nichts wieder aufzutauchen. Weiße Blutkörperchen und Makrophagen sind plötzlich wieder munter „vor Ort“. Was da mit modernster Aufnahmetechnik auf die PC-Festplatte gebannt ist, sieht sich spannend an wie ein Krimi.

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