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17.07.2007
Nachdenkenswerte Erkenntnisse eines Molekularbiologen
Wer seine Bildung und Sozialisierung in DDR-Zeiten und -Gefilden absolviert hat, erinnert sich an ein verordnetes Reifekriterium – die materialistische Beantwortung der so genannten Grundfrage der Philosophie: Der Materie war das Primat zuzugestehen, im Geist hatte man lediglich deren Funktion zu sehen. Umgekehrtes zu vermuten oder gar zu bezeugen galt damals zumindest als „bürgerlich“. Schließlich hatte Juri Gagarin, der erste Kosmonaut, über den Wolken keine Engel gesehen. Die Annahme indes, dass es sich mit dieser Sache in den so freien Landen jenseits der Mauer oder nach deren Fall gänzlich anders verhält, scheint ein Irrtum zu sein. Zwar darf hier grundgesetzlich jeder die Welt anschauen, wie er dies möchte, doch für Wissenschaft wird letztlich nur gehalten, was auf jener - freilich anspruchsvoller vorgebrachten - Raumfahrer-Erkenntnis fußt: „Engel“, was immer das sei, sind nicht in Sicht. Spiritualität, auch die kritisch-selbstkritisch zurückhaltende, hat in der Forschung, zumindest der offiziellen, nichts verloren. Geist misst man ganz einfach mit bildgebenden Verfahren anhand feuernder Neuronen. Dass nobelpreisträchtige und -verdächtige Physiker darüber, wie man mitunter lesen kann, auch anders denken, fällt meistens unter den wissenschaftlichen Tisch. Gerade darum macht es neugierig, wenn auch ein Biologe zu Vermutungen gelangt ist, die dem Geistigen in der Wirklichkeit nicht nur überhaupt einen Platz, sondern gar den eines Urhebers und Steuermanns zuschreiben. Und dies trotz Darwin und auch noch nach dem Siegeszug der Genetik. PROVOkant erkundete deshalb das nun auch auf Deutsch vorliegende Buch „Intelligente Zellen“ des Zellbiologen und Stanford-Universitätsprofessors Dr. Bruce Lipton.*
* Das Gespräch mit Bruce Lipton trägt fiktiven Charakter und stützt sich in Absprache mit dem KOHA-Verlag auf die entsprechenden Textstellen des Buches. – Die Red.
In Ihrem Buch, Dr. Lipton, bekunden Sie, dass Sie sich aus einem agnostischen Wissenschaftler in jemanden verwandelt haben, „der fest daran glaubt, dass das ewige Leben unseren Körper transzendiert“. Heißt das, Sie sind ein Esoteriker geworden?
Nein. Ich bin Wissenschaftler, und das bleibe ich auch, obwohl ich bei meinem Blick auf das Leben geradezu eine volle Kehrtwendung gemacht habe: von einem auf das Materielle reduzierten zu einem spirituellen Ansatz. Meine persönliche Schlussfolgerung, dass wir vor allem geistige und darum unsterbliche Wesen sind, die sehr wahrscheinlich auch unabhängig von den Körpern existieren, beruht auf jahrelangen Forschungen. Die haben nämlich klar ergeben, dass die „Proteinschalter“, über die das Verhalten unserer Körperzellen und damit letztlich auch unser Verhalten als Individuen gesteuert wird, im Wesentlichen durch Signale aus der Umgebung – dem Universum – an- und ausgeschaltet werden.
(…)
Das ist vielleicht ein notwendiger Blickwinkel. Doch ist Ihnen sicherlich nicht ernsthaft daran gelegen, unsere vor allem analytisch arbeitende moderne Wissenschaft auf das Entwicklungsniveau der Naturvölker herunterzufahren.
Ich glaube nicht, dass man von „herunterfahren“ sprechen sollte. Keiner will den Erkenntnisschatz und das bewährte Instrumentarium moderner Forschung über Bord werfen. Doch noch nie zuvor haben wir so dringend eine derart auf das Ganze gerichtete Weltsicht benötigt, wie sie unseren Altvorderen eigen war. Als sich die Wissenschaft vom Geistigen abwandte, veränderte sie ihre Zielrichtung radikal: Anstatt fortzufahren, die natürliche Ordnung der Dinge zu ergründen, damit die Menschen in größerer Harmonie mit dieser Ordnung leben können, schickte sie sich an, die Natur zu kontrollieren und zu beherrschen. Diese Ausrichtung hat, wie wir erleben müssen, die Technologie geprägt und die Menschheit an den Rand der Selbstzerstörung gebracht.
(…)
Ändert sich mit dem Konzept einer Außensteuerung auch unser Verständnis vom Aufbau der Zelle und von der Funktion ihrer Bestandteile?
Unbedingt. Ja, eigentlich haben die neuen Erkenntnisse über den Zellaufbau die Frage der Steuerung erst aufgeworfen. Lange Zeit hatte man angenommen, dass der Zellkern mit seinem DNS-haltigen Material gleichsam das „Gehirn“ der Zelle ist. Also müsste eine Entfernung dieses Kerns zu deren sofortigem Tod führen. Das passierte aber nicht. Enukleierte, also entkernte, Zellen zeigten weiterhin komplexe, koordinierte, lebenserhaltende Verhaltensmuster. Und das ließ darauf schließen, dass irgendwo anders, außerhalb des Kerns ein „Gehirn“ intakt und funktionsfähig ist. Ich habe z. B. in Laborexperimenten die Reaktion von Endothelzellen (Zellen in den Wänden von Blutgefäßen) auf entzündlich wirkende Chemikalien beobachtet und dann ihre DNS mit Gammastrahlen zerstört. Ergebnis: Sie veränderten ihr bisheriges Verhalten nicht. Sie zeigten nach wie vor deutlich eine Art „intelligente Steuerungsfähigkeit“, obwohl sie keine intakten Gene mehr besaßen.
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Und wo vermuteten Sie das „Gehirn“ der Zellen?
Eindeutig in der Zellmembran. Obwohl diese im wahrsten Sinne des Wortes hauchdünn, nämlich nur ein Siebenmillionstel Millimeter stark und deshalb überhaupt nur mit dem Elektronenmikroskop sichtbar ist, funktioniert sie einfach genial. In ihr finden wir jenen biologischen Mechanismus, mit dem unser Körper in einem ersten Schritt Umweltsignale in Verhalten umsetzt. Diese Funktion hat sie bereits bei den primitivsten Organismen unseres Planeten, den Prokaryoten, zu denen auch Bakterien und andere Mikroben gehören. Diese bestehen nur aus einem von einer Membran umgebenen Tropfen Zellplasma, und zwar ohne alle Organellen wie etwa Zellkern oder Mitochondrien. Dennoch kann ein Bakterium z. B. Nahrung wahrnehmen und sich zu ihr hin bewegen, vermag Gifte und „Feinde“ zu erkennen und vor ihnen zu flüchten. Es zeigt also eine Art „neurologischer" Verarbeitung von Außenreizen, eine Art „Intelligenz“.
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Unser „Selbst“ hätte demnach seinen Ursprung außerhalb unseres Körpers?
Davon bin ich überzeugt. Und dieses Selbst muss folglich in unserer Umwelt existieren, ganz gleich, ob unser Körper, der sich mit ihm in Resonanz befindet, da ist oder nicht. Stellen Sie sich den menschlichen Körper als ein Fernsehgerät vor. In dieser Analogie sind Sie das Bild auf dem Monitor. Das aber ist doch nicht etwa im Fernsehgerät entstanden. Geht das Gerät kaputt, wird das Bild nach wie vor gesendet. Der „Tod“ des Fernsehers als Empfänger kann dem aus der Umwelt gesendeten Bild nichts anhaben. Das heißt: Auch wenn mein physischer Körper stirbt, ist die „Sendung“ immer noch aktiv. Und wenn die Umwelt das Alles, was ist, umfasst und unsere Identitäts-Rezeptoren immer nur einen kleinen Ausschnitt aus diesem riesigen Spektrum „downloaden“, dann wird klar, dass wir ein kleiner Teil des Großen Ganzen sind, des Göttlichen oder wie auch immer Sie es nennen wollen.
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