Neue Ausgabe Oktober/November/Dezember 2009

Die neue Ausgabe ist seit 29. Oktober 2009 im Bahnhofsbuchhandel und über Internetbestellung erhältlich.

Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Ein Lichtblick auf dem Strommarkt

10.07.2007


"Grüne" Idee und erfolgreiches Unternehmenskonzept

Warnungen vor den Folgen unserer Zivilisationsgebaren gab es schon Jahrzehnte. Sie wurden in den Wind geschlagen. Ökonomische Interessen standen gegen ökologische Lösungen. Jetzt scheint das anders zu sein. Auf einmal! Klimawandel wurde zum Schlagwort. Wissenschaftler streiten sich nur noch wenig über die Fakten. Die Gesellschaft reibt sich die Augen. Fünf vor zwölf? Fünf nach zwölf? Kommt der Ökozug in Fahrt? Wer bestimmt die Fahrtrichtung? Die bisherigen Bremser, die jetzt aufspringen? Oder doch lieber die Vorreiter? PROVOkant besuchte einen von ihnen: das alternative Hamburger Stromunternehmen „LichtBlick“ und befragte dessen Sprecher Gero Lücking.

(…)

Atomstrom ist nicht in Ihrem Mix?

Nein. Garantiert nicht.

Verlangt die Gefahr des Klimawandels nicht, die emissionsarme Kernenergie doch länger zu nutzen?

Das ist ein gefährlicher Trugschluss. Viele Leute haben Tschernobyl vergessen, wir nicht. Das Risiko eines Unfalls ist auch heute real. Und unvertretbar. Nach wie vor. Die Risiken nehmen sogar zu, je älter die Anlagen werden und je mehr Meiler in Betrieb sind und genommen werden.

Die Industrie sagt: Unsere Kernkraftwerke sind sicher. Ist Tschernobyl inzwischen nur eine Vogelscheuche?

Nein. Die gravierenden Vorfälle in den Vattenfall-Reaktoren Schwedens in jüngster Zeit zeigen: Es kann jeden Tag und überall schief gehen. Auch Deutschland bleibt von Pannen nicht verschont, das belegt die gerade veröffentlichte Pannenstatistik. Weltweit kommt es jedes Jahr zu mehreren Tausend Störfällen. (…)

Muss alles Gute und Notwendige immer erst warten, bis damit Geld zu machen ist?

Man mag das bedauern, aber so ist die Realität. Im Strommarkt mussten wir allerdings auch auf die Abschaffung der Monopole warten. Jetzt kann der Markt helfen, Probleme der Gesellschaft zu lösen. Über die Nachfragemacht der Verbraucher. Wer sich z. B. entscheidet, zu einem Ökostrom-Anbieter zu wechseln, bezieht nicht nur Position. Er beschleunigt auch die überfällige Energiewende. Er fällt eine kleine, aber sehr wichtige energiepolitische Entscheidung. Als Kunde ist der „kleine Mann“ nicht ohne Macht.

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