Neue Ausgabe Oktober/November/Dezember 2009

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Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Eine Krankheit erfunden?

17.07.2007

Die Krux mit den Laborwerten - Nachtrag zu "Eisen für Millionen"

Unsere Leserin Gisela S. aus dem Raum Berlin schrieb uns zum Inter­view mit Dr. Schaub ("Eisen für Millionen", Heft 1/07) in einer Mail:

Seit fast zwei Jahren leide auch ich unter Erschöp­fungszuständen und habe aufgrund Ihres Beitrags meinen Ferritinspiegel bestim­men las­sen. Er liegt bei 30. Nach Ansicht meines Hausarztes sei das durchaus in der Norm. Er meint, man solle mit der Festlegung von Normwerten für Labor-Parameter sehr vorsichtig sein. Im Hinblick auf das Speichereisen seien sich weder die Wissenschaft noch die Labore so richtig einig. Wenn nun der Normwert für Ferritin so sehr nach oben gerückt werde, stempelten wir viele gesunde Menschen kurzerhand zu Kranken. Vielleicht lasse in diesem Falle nur die Herstellerfirma von Eisenpräparaten grüßen. Hat er da ein bisschen Recht?

Kein ganz abwegiger Gedanke. Wir nahmen ihn zum Anlass, Dr. Schaub im Nachgang noch entsprechende Fragen zu stellen.

PROVOkant: Herr Dr. Schaub, Ihre Forschungsergebnisse stoßen auf Interesse. Sie könnten indes einen "Haken" haben:  Wenn die Medizin nun tatsächlich den Normwert für Ferritin auf 50 oder gar 100 anhebt, werden da nicht sozusagen "mit einem Federstrich" aus Tausenden gesunder Menschen Kranke gemacht?

Dr. Beat Schaub: Das könnte man sehr gut meinen. Und bei der über die Jahre hinweg "schleichenden Aktualisierung" z. B. der für normal geltenden Blutdruckwerte hat es tatsächlich den Effekt einer Krankheitserfindung gegeben. Bei der Auseinandersetzung um den Referenzbereich für das Speichereisen verhält sich die Sache genau umgekehrt. Wir wollen große Gruppen von bisher Kranken aus dem Pulk der Behandlungsbedürftigen herausführen. Wir sagen dabei mit Nachdruck: Wer sich nicht krank fühlt, braucht sich um den Ferritinwert grundsätzlich nicht zu kümmern. Ein Wert unter 100 ng/ml soll und darf nie jemanden dazu verleiten, sich deswegen krank zu fühlen. Sollte allerdings der untere Ferritinwert weiterhin bei 20 ng/ml angesiedelt bleiben, würden viele Tausend Betroffene weiterhin meist täglich symptomunterdrückende Medikamente schlucken. Und sie würden immer wieder für teures Geld abklären lassen, ob sie auch wirklich "nichts Schlimmes haben".

Wenn die Ursache ein Eisenmangel ist und der beseitigt wird, brauchten viele dann weniger oft zum Arzt zu gehen?

Genau. Wenn kurz- und langfristig das Problem des Eisenmangels erfolgreich behoben wird, besteht dafür eine große Chance. Die Menschen fühlen sich gesünder und Sym­p­tome müssen weder abgeklärt noch behandelt werden. Das spart nicht nur Un­annehmlichkeiten oder gar Leiden, sondern auch Kosten.

(…)

Wenn das Eisenmangelsyndrom, das Sie entdeckt haben, künftig von immer mehr Ärzten erkannt und mit Eiseninfusionen behandelt wird, wird das die Her­steller der Ferritinampullen, die Firma Vifor, sicher freuen. Es liegt sehr nahe anzunehmen, dass dieses Pharmaunternehmen Ihre Aktivitäten sponsert, viel­leicht sogar ausgelöst hat. Gibt es da irgendwelche finanziellen Beziehungen?

Nein. Natürlich kenne ich die Arztkollegen der Firma Vifor, und seit einiger Zeit haben wir immer mal wieder einen Gedankenaustausch. Sogar mit dem Geschäftsführer. Das kann nur nützlich sein. Und Ihre Vermutung über die Möglichkeit finanzieller Un­terstützung liegt bei solchen Kontakten gleichsam in der Luft. Wir sind dabei aber sehr schnell einig geworden, dass sich unser Institut in keiner Weise von dieser Firma spon­sern lassen kann. Wir würden doch – ob wir das nun wollten oder nicht –  in den Geruch kommen, mit unserer Arbeit einen Werbefeldzug für Vifor zu unternehmen. Nein, wir wollen selbständig und unabhängig bleiben und orientieren uns lieber an den Prinzipien der Ethik als an denen des Kapitals.

(…)

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