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17.07.2007

Stiftung "AUSWEGE" hilft mit Beratung und finanzieller Unterstützung
Wenn die Schulmedizin an ihre Grenzen stößt und Kinder als "unheilbar" krank einstuft, sind die Eltern oft am Ende. Dass es viele alternative Therapiemöglichkeiten wie beispielsweise Geistiges Heilen gibt, wissen die wenigsten. Und wenn sie davon gehört haben, so sorgen eben jene an ihre Grenzen gelangten Wissenschaftler dafür, dass solchen Therapieformen der neblige Ruf der Scharlatanerie anhaftet. Denn als wissenschaftlich anerkannt gilt nur, was in einer randomisierten Doppelblindstudie nachgewiesen werden kann. Doch wer heilt, hat Recht. So stellt sich die neu gegründete Stiftung „AUSWEGE“ gleich zwei wichtigen Herausforderungen: Zum einen unterstützt sie Eltern dabei, sich im breiten Spektrum von Natur- und Erfahrungsheilkunde sowie eben der Geistheilung zurechtzufinden. Ein „Fach-Team“ von ca. 40 Ärzten, Heilpraktikern und Psychotherapeuten bietet dafür einen telefonischen "Info-Dienst" an – mit derzeit 42 Beratungsstunden pro Woche.
Die zweite große Herausforderung besteht darin, sich um öffentliche Aufklärung über Möglichkeiten und Grenzen Geistigen Heilens bei Kindern zu bemühen. Die Stiftung finanziert wissenschaftliche Projekte, die eben jene alternativen Therapien, insbesondere Geistiges Heilen, erforschen und dokumentieren.
Eine enge Zusammenarbeit erfolgt mit der "Internationalen Vermittlungsstelle für herausragende Heiler" (IVH), die anhand einer Vielzahl von Kriterien eine Datenbank seriöser Heiler führt. Bis Anfang 2007 wurden 130 Heiler aus 26 Ländern ins IVH-Netzwerk einbezogen. So haben hilfesuchende Eltern einen wichtigen Anlaufpunkt, um sicherzugehen, von keinem selbsternannten Heiler enttäuscht zu werden. Nicht alle "guten" Heiler können mit Hilfe der Kriterien der IVH erfasst werden. Denn es gibt etliche Heiler, die bescheiden und zurückgezogen leben und dennoch große Dienste für die Menschen leisten. Die als Kriterium der IVH geforderte Zusammenarbeit mit Ärzten, Heilpraktikern und Psychotherapeuten können sie nicht nachweisen. Und das müssen sie auch nicht: Ihre Heilerfolge bringen durch Mundpropaganda die Hilfesuchenden zu ihnen. Dennoch ist das Projekt der Stiftung „AUSWEGE“ ein weiterer großer Schritt zur Einordnung, Anerkennung und Wertschätzung großartiger Heiler. Nicht nur die betroffenen Kinder werden es ihr danken.
In diesem Zusammenhang hat Dr. Harald Wiesendanger, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Stiftung „AUSWEGE“ uns einige Fragen beantwortet:
PROVOkant: Was hat Sie dazu bewogen, eine solche Stiftung ins Leben zu rufen?
Dr. Harald Wiesendanger: Glück verpflichtet. Und davon hatte ich im Großen und Ganzen eine Menge, ohne dass ich je begriffen hätte, weshalb gerade ich, wieso mehr als andere. Ein wenig davon möchte ich zurückgeben.
Warum ausgerechnet Kindern?
Warum nicht? "Man kann nicht jedem helfen", sagen allzu viele und helfen keinem.
(…)
Insbesondere praktizierenden Ärzten wollen Sie Geistiges Heilen nahe bringen. Rennen Sie da nicht gegen Mauern, solange es dieser Heilweise an wissenschaftlicher Anerkennung mangelt?
Mir geht es schlicht um mehr Pragmatismus im Gesundheitswesen. Mit dem Hippokratischen Eid schwört doch jeder Arzt feierlich, sein "Leben dem Dienste der Menschheit zu weihen", er schwört keineswegs, erst noch mindestens ein Dutzend randomisierter, placebokontrollierter Doppelblindstudien abzuwarten,
ehe er seinen Dienst antritt. Deshalb darf er Geistiges Heilen einbeziehen und womöglich verpflichtetet ihn sein Eid sogar dazu, denn gerade bei chronischen, vermeintlich "therapieresistenten" Leiden hilft Geistiges Heilen erfahrungsgemäß oft erstaunlich rasch und nachhaltig. Das AUSWEGE-Motto lautet: Wir dürfen auf beinahe jede erdenkliche Weise krank werden. Warum sollten wir nicht auf jede erdenkliche Weise wieder gesund werden dürfen?
Wie vordringlich ist Ihr Stiftungsanliegen gegenwärtig noch? Dank der Fortschritte der Medizin war Kindheit noch nie ein gesünderer Lebensabschnitt als heute.
Keine Frage. Die Kindersterblichkeit befindet sich historisch auf einem Tiefstand, zumindest in der westlichen Welt. Infektionskrankheiten, die früher den sicheren Tod bedeutet hätten, sind besiegt. Vieles lässt sich heute operativ korrigieren, medikamentös beheben, durch eine breite Palette von pädiatrischen Maßnahmen zumindest lindern. Trotzdem sind auch heute Millionen von Kindern chronisch krank. Ihnen kann mit konventioneller Medizin entweder überhaupt nicht geholfen werden oder nur mit mehr oder minder fatalen Nebenwirkungen und überaus kostenintensiv.
Und in Geistigem Heilen sehen Sie immer dann den Königsweg?
Einen Weg neben anderen. Der Stiftung geht es gerade nicht darum, verzweifelte Angehörige schwerkranker Kinder schnurstracks Heilern zuzuführen. Zu viele betroffene Eltern greifen allzu rasch, auf ein "Wunder" hoffend, nach Geistigem Heilen als vermeintlich letztem Strohhalm. Ehe Hilfesuchende nach enttäuschenden Erfahrungen mit einzelnen konventionell arbeitenden Ärzten sogleich an Geistheiler weitervermittelt werden, sollten ihnen mögliche Auswege zwischen Schulmedizin und Geistigem Heilen aufgezeigt werden, von denen sie bisher vielleicht noch nie gehört haben oder zu wenig wissen: im Bereich „komplementärer“, natur- und erfahrungsheilkundlicher Therapieformen.
Wie hilft Ihre Stiftung dabei?
Dazu bietet sie Beratung durch ein „Fach-Team“ an. Es besteht aus erfahrenen Ärzten verschiedener Fachrichtungen, Heilpraktikern und Psychotherapeuten. Sie alle sind für Geistiges Heilen aufgeschlossen, manche beziehen es sogar in ihre Praxis ein. Gleichwohl teilt jeder von ihnen die Grundüberzeugung der
Stiftung: Geistiges Heilen ist bloß eines von vielen therapeutischen Angeboten, die auch dann noch weiterhelfen, wenn Mediziner mit ihrem Latein am Ende sind. Guten Rat in Gesundheitsfragen haben aber durchaus nicht bloß Ärzte und andere medizinisch Vorgebildete zu bieten Oftmals sammeln Eltern im Laufe von vielen Jahren, in denen sie nach Auswegen für ihr krankes Kind suchen, eine Menge wertvoller Informationen über Behandlungsmethoden, über Therapeuten, über Kliniken. Unser „Elternforum“ soll dazu einladen, diesen Erfahrungsschatz mit Mitbetroffenen zu teilen sei es per E-Mail oder auf unseren Internetseiten.
(…)
Unheilbares heilen: Verrät die Stiftung nicht schon mit diesem ihrem erklärten Ziel, dass sie sich die Quadratur des Kreises vorgenommen hat?
Wörter wie „unheilbar“, ähnlich wie „unvorstellbar“ oder „unrealisierbar“, scheinen einen objektiven Sachverhalt zu kennzeichnen. In Wahrheit jedoch sagen sie vor allem etwas über den, der sie benutzt, nämlich über den Stand seines Wissens und Könnens. Was heißt „Das ist unheilbar!“ denn anderes als „Ich kann es nicht heilen“ und „Ich wüsste nicht, wie ein anderer es heilen könnte“, verbunden mit der Prognose: „Das wird niemals zu heilen sein“. Solche Voraussagen haben sich in der Geschichte der Medizin fast immer als voreilig erwiesen.
Schürt eine Einrichtung, die sich als unheilbar geltender kranker Kinder annimmt, nicht unerfüllbare Hoffnungen? Wollen Sie betroffenen Eltern allen Ernstes in Aussicht stellen, dass zum Beispiel gegen ein Down- Syndrom oder eine schwere Cerebralparese noch etwas auszurichten sei?
Bei angeborenen genetischen Defekten oder zerstörten organischen Strukturen sind auch Geistheiler überfordert. Das verschweigt die Stiftung nicht, im Gegenteil: Über Grenzen will sie ebenso aufklären wie über Chancen. Aber begrenzt inwiefern? Auch unterhalb des Ideals vollständiger Heilung sind Behandlungseffekte erreichbar, die Betroffene als wesentlichen Fortschritt empfinden würden: wenn beispielsweise bei einem körperlich und geistig schwerstbehinderten Kind Lähmungen und epileptische Anfälle nachlassen, wenn sich Artikulation, Sozialverhalten und Auffassungsvermögen auch nur leicht bessern. Zumindest so viel gelingt in der Obhut eines guten Heilers manchmal durchaus, wie ich im Rahmen von Tests wiederholt mit eigenen Augen miterleben konnte.
Wenn Hilfesuchende bei der Stiftung anfragen – werden ihnen dann einfach ein paar Heiler empfohlen?
Nein. Zunächst berät sie unser Expertenteam mit dem Ziel, ihnen die ganze Bandbreite von Behandlungsoptionen aufzuzeigen – über Geistiges Heilen hinaus. Im zweiten Schritt werden dann, auf das jeweilige Gesundheitsproblem zugeschnitten, Therapievorschläge gemacht, die Geistiges Heilen einschließen können, aber keineswegs müssen.
(…)
Was hat das Geistige Heilen von Ihrer Einrichtung?
Eine Menge, hoffe ich. Je bekannter und anerkannter die IVH wird, desto mehr Beachtung werden die Maßstäbe finden, die sie an Heiler anlegt. Und ihr Kriterienkatalog kann sicher auch Heiler außerhalb der IVH dazu anregen, auf Dokumentation, Kooperation und Forschung Wert zu legen. Die IVH fördert zudem die Zusammenarbeit von Heilern mit Ärzten und anderen anerkannten Heilberufen. Ein solches fruchtbringendes Miteinander und die damit mögliche sorgfältige medizinische Dokumentation von Behandlungserfolgen in Heilerpraxen könnten Skeptikern einiges zu denken geben. Für besonders wichtig halte ich es aber auch, dass die Arbeit der IVH hilft, dem Bereich des Geistigen Heilens mündigere, besser vorinformierte Patienten zuzuführen. Und schließlich: Mit Hilfe der IVH wollen wir bei Veranstaltungen sowie in den Massenmedien verstärkt solchen Heilern mehr öffentliche Aufmerksamkeit zukommen lassen, die es aufgrund ihrer therapeutischen Befähigung und ihrer Persönlichkeit verdient haben. Bei all dem gilt aber: Unsere Stiftung und die IVH sind nicht dazu da, dem Geistigen Heilen einen Nutzen zu bringen. Das Geistiges Heilen ist dazu da, Kranken und Leidenden zu nutzen. Und dass dies gelingt, dafür arbeiten wir. In der Rolle eines Vorkämpfers für irgendeine unkonventionelle Therapieform, etwa gar eines Fürsprechers für deren Anwender, würde ich mich unwohl fühlen. Ich will nichts weiter als helfen. Auch und besonders Kindern, für die Schulmediziner zu wenig oder mitunter auch gar nichts mehr tun können. Dafür ist mir jedes Heilmittel gleich recht.