Neue Ausgabe Oktober/November/Dezember 2009

Die neue Ausgabe ist seit 29. Oktober 2009 im Bahnhofsbuchhandel und über Internetbestellung erhältlich.

Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Helfer in Sachen "dritte Meinung"

Dr. Günter Baumgart, 17.07.2007


Alternative Krebsberatung soll Erfahrungen mit Therapien vermitteln

"Wir sagen allen, die es wissen wollen, was andere gemacht haben, um gesund zu werden." Wenn man das Anliegen und die Aktivitäten des Vereins "Menschen gegen Krebs" und seines neuen Informations- und Beratungszentrums in Buoch bei Stuttgart in einem einzigen Satz wiedergeben sollte, so müsste es dieser sein. Er stammt aus dem Gespräch, das wir mit seinem Direktor, Lothar Hirneise, für unsere Aprilausgabe führten. Die­ses Interview hat nicht allen gefallen. Denn Hirneise relativiert, vorsichtig ausgedrückt, die Erfolge der eta­blier­ten Onkologie, und er fasst deren Vertreter nicht gerade mit Glacéhandschuhen an. Darf das ein Nicht­me­di­zi­ner tun? Ich denke schon. Worum aber geht es?

Die Heerscharen derer, die Krebskranken helfen, sind groß. Doch sie sind gespalten. Die einen, sie bilden den größeren Teil, gehen letztlich von der Annahme aus, dass Krebs zunächst eine lokale Krankheit ist: Irgendwann spielt irgendwo im Körper eine Zelle „verrückt“, und dann nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Die anderen - und ich meine damit keinesfalls Kurpfuscher, sondern gestandene Ärzte, Heilpraktiker, Heiler und sogar einige Univer­si­täts­professoren - gehen anders heran. Sie sehen im Krebsgeschehen in der Regel eine Krankheit des ganzen Menschen, in den Tumoren indes nur deren Symptome. Die Vertreter dieser Richtung sind (noch) in der Minderheit.

Es leuchtet ein, dass sich das Verständnis einer Krankheit auf die Art der Therapien auswirkt: Ist der Tumor die Krankheit, muss man ihn und seine „Töchter“ erwischen und liquidieren, mit Stahl, Strahl und Chemie. Gelingt das, dann war’s das. Bis zum nächsten Mal, vielleicht. Ist aber der ganze Mensch krank, muss man eher auf die Gesundung eben des ganzen Menschen setzen, muss man sich auf dessen Selbstheilungskräfte orientieren. Nicht auf Aggression, sondern auf Kooperation.

Von beiden Strategien haben bisher viele Menschen Nutzen gehabt. Haben Hoffnungen in sie gesetzt. Das Problem ist nur: Über das Wirken der Mehrheitsfraktion in der Onkologie gibt es Statistiken und Studien. Meist allerdings nicht über das Leid, das die Betroffenen in Kauf genommen haben in der - erfüllten oder unerfüllten - Hoffnung, es mit Lebenszeit vergolten zu be­kom­men. Über die Bemühungen der alternativen Krebsärzte indes gibt es nur Erfahrungsberichte, Berichte über Einzelfälle, die mitunter noch nicht einmal hinreichend dokumentiert sind und nur selten veröffentlicht wurden. Sie sprechen sich meistens nur herum. Aber es sind durchaus nicht wenige. Man fragt sich, warum die Mittel dafür fehlen, Verläufe, Überlebenszeiten und Aussagen über Lebensqualität in diesen vielen Einzelfällen festzuhalten. Wer könnte und wer sollte entsprechende Studien durchführen und wer bezahlen?

Wer die "Schattenliteratur" der Krebsforschung verfolgt, weiß, dass es weit mehr ernsthafte Behandlungsansätze gibt, als der Patien­ten­öffentlichkeit bekannt sind. Dieses Informationsdefizit auszu­gleichen ist eines der wichtigsten An­liegen des Vereins "Menschen gegen Krebs". Er hat engagierte Menschen mit dem Wissen ausgerüstet, Betroffene darüber aufzuklären, was auf die­sem Gebiet alles möglich ist, wie es andere, auch so genannte Austherapierte geschafft haben, lebenswerte Lebenszeit zu gewinnen oder gar geheilt zu werden. Sie nennen sich Krebsberater. Ihre Tätigkeit stützt sich nicht unbedingt auf ran­do­misierte Doppelblindstudien, eher auf die Kenntnis von Er­fahrungen, auf ein Wissen um die vielen Einzelfälle. Schicksale, die nicht weniger wahr und nicht weniger bedeutsam sind, nur weil sie sich nicht unter La­borbedingungen erfüllten und keine wissenschaftliche Ver­suchs­an­ordnung aufwiesen. Diese Men­schen wollen nicht missionieren. Sie informieren. Sie stellen die "dritte Meinung" vor. Dabei bedrängen sie nicht, sondern stützen, ängstigen nicht, sondern versuchen Kräfte zu wecken. Sie schicken niemanden auf Einbahnstraßen, sondern eröffnen Wege. Sie sind keine Thera­peu­ten, sondern Kenner der Thera­pien. So wie Literaturkenner keine Literaten sein müssen. Und: Sie schreiben keine Garan­tie­schei­ne aus. Wie das niemand kann in dieser Sache.

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