
Die neue Ausgabe ist seit 29. Oktober 2009 im Bahnhofsbuchhandel und über Internetbestellung erhältlich.

Günter Baumgart, 09.10.2007
"PROVOkant" hat mit nebenstehendem Interview ein brisantes Thema aufgegriffen. Von möglicher Sprengkraft ist es deshalb, weil es unter Umständen natürliche Verbündete missverständlich zu entzweien vermag. Dies kann es, wenn das Gesagte nicht mit kühlem Kopf aufgenommen und nicht von einer kritischen Durchsicht der im Buch angeführten Fakten und wissenschaftlichen Argumente begleitet wird.
Deshalb fühlen wir uns gehalten, Folgendes hervorzuheben: Es geht nicht darum, eine reale Gefahr in Abrede zu stellen. Es geht nur darum, ob wir mit den "Waffen", mit denen wir sie "bekämpfen" sollen, nicht doch ins Leere schießen.
Alle Sorgen um Leben und Gesundheit unseres Erdballs sind berechtigter denn je. Alle Bemühungen um einen vernünftigen Umgang mit den begrenzten Ressourcen unserer Welt - Wasser, Luft, Bodenschätze, nicht weniger aber auch menschliche Geistes- und Körperkraft - sind nicht nur legitim und nützlich, sondern geradezu dringend notwendig. Ebenso alle friedlichen Aktionen, die auf das Gebot der Vernunft aufmerksam machen, Leben und Gesundheit unserer Gattung nicht gewinnträchtigen Risiken auszusetzen. Blüchels Buch ist dafür volle Unterstützung, keine Absage.
Es geht aber nicht nur um die Ziele, es geht auch um den Weg. Und dies kann vielleicht an Folgendem recht gut anschaulich gemacht werden:
Die in der ehemaligen DDR Aufgewachsenen wissen es noch aus eigener Erinnerung: Es hatte damals als wissenschaftlich erwiesen zu gelten (weil Wissenschaftler es ausgearbeitet hatten), das der Sozialismus, vornehmlich der "real existierende", gleichsam mit Naturnotwendigkeit den Sieg über das Kapital davontragen wird. Alles, was in diesem siegesträchtigen System geschah, was zu tun und was zu lassen war, was begrüßt und was bedauert, was genossen und was erlitten wurde, das schien in die angeblich wissenschaftlich erhärtete Aussage von der Sieghaftigkeit der sozialistischen Gesellschaftsordnung eingebettet und von ihr legitimiert. Was das Volk keinesfalls in Zweifel ziehen durfte, war eben jener verordnete Konsens, den es 1989 trotz aller Gralshüter öffentlich aufkündigte.
Die Mauer ist vor fast 18 Jahren gefallen, und es ist mittlerweile sehr fraglich, ob in dem Land, in dem wir jetzt leben, die große Freiheit des Denkens und Redens, des Schreibens und des Debattierens, die Freiheit des unbeeinflussten Abwägens der Argumente und jene der dann folgenden demokratischen Entscheidungen auch wirklich real genug existiert. Hier sollte gerade heute keine Nachsicht geübt werden, denn die Gefahr einer erheblichen Klimaveränderung erfordert mehr denn je eine ungehinderte Kooperation der Vernunft. Und den freien Disput der Erkenntnisse als deren Voraussetzung.