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09.10.2007

Sind "Erdstrahlen" eine Tatsache? / Wie unvoreingenommene Wissenschaft angeblichen Humbug ernst nimmt
Wenn Menschen behaupten, mit der Wünschelrute Wasseradern orten zu können, dann ernten sie heutzutage meist Skepsis. Nahe am Aberglauben schon vermutet man jemanden, der meint, durch so genannte Erdstrahlen krank geworden zu sein. Und wenn das gar ein Arzt für möglich hält, so muss dies wohl ein halber Scharlatan sein. Denn: Was man - mit unseren alltäglichen Sinnen und/oder der ihnen helfenden Messtechnik - nicht nachweisen kann, das kann es nun mal nicht geben. Was aber, wenn sich gestandene Wissenschaftler unvoreingenommen mit derartigen Phäno-menen befassen und dabei angebliche Esoterik in handfestes Wissen ver-wandeln? PROVOkant besuchte in Österreich eine Frau, die als "bekennende Schulwissenschaftlerin" seit mehr als 10 Jahren solche Erscheinun-gen untersucht: Dr. Noemi Kempe, Leiterin des Instituts für Biosensorik und Bioenergetische Umweltforschung in Lieboch bei Graz.
PROVOkant: Für uns aufgeklärte Menschen, die wir meinen, mit beiden Bei-nen in der Welt zu stehen, gehören Rutengänger, die Wasseradern muten, eher ins Mittelalter. Erst recht jene Leute, die einem Pendelausschlag entnehmen wollen, unsere Wohnung sei mit krankmachenden „Erdstrahlen“ belastet. Was sagen Sie als Physikerin dazu?
Dr. Noemi Kempe: Die Phänomene, von denen Sie sprechen, sind kein Spuk, sondern - das möchte ich klipp und klar sagen - objektive physikalische Realität. Daran än-dert auch nichts, dass wir sie bis vor kurzem fast ausschließlich mit einer Art „sechstem Sinn“ registrieren konnten. Gerade dieser Umstand aber hat diese Erscheinungen ins Reich des Mysteriösen gerückt. Völlig zu Unrecht!
Also existieren die ominösen Erdstrahlen wirklich?
In der Wissenschaft verwenden wir diesen Ausdruck nicht. Wir fassen all jene Phäno-mene mit dem Begriff der Raumqualität. Dazu zählen die altbekannten Wasseradern ebenso wie die von den Ärzten Dr. Hart-mann und Dr. Curry entdeckten Gitterli-nien, besonders aber deren Kreuzungs-punkte. Auch die so genannten Orte der Kraft und verschiedene Terrains mit negativer "Ausstrahlung". Wir können ihre Existenz inzwischen sehr wohl nachweisen, und wir messen ihren jeweiligen Effekt auf den menschlichen Körper auch recht genau.
Mit welchen Wirkungen haben wir es da zu tun?
Wir wissen heute, dass Wasseradern, aber ebenso die Kreuzungspunkte des Hart-mann- und des Curry-Gitters in der Regel unsere Homöostase negativ beeinflussen. Sie können also tatsächlich krank machen, und zwar Menschen und Tiere ebenso wie Pflanzen.
(…)
Und worum handelt es sich bei diesen Einflüssen, physikalisch gesehen?
Sehr wahrscheinlich um die Wirkung be-sonderer räumlicher Magnetfeldstrukturen. Durch bestimmte geologische Gegebenheiten wie Verwerfungen von Gesteinsschich-ten oder unterirdische Wasserläufe verän-dert sich das Magnetfeld der Erde. Lokal natürlich. So ist jedenfalls unser bisheriger Erkenntnisstand.
Und wie messen Sie diese Veränderungen? Mit dem "sechsten Sinn" oder lieber doch mit moderner Technik?
Sowohl, als auch! Wir haben dafür leis-tungsfähige technische Instrumente entwickelt und stützen uns auf mathematische Computerprogramme. Andererseits bedie-nen auch wir uns, gewissermaßen zur Weg-bereitung der Messungen und ihrer Über-prüfung, der althergebrachten radiästhetischen Methoden, also des Pendels und der Einhandrute bzw. dem Tensor. Meistens arbeiten wir mit diesem.
Befürchten Sie nicht, sich damit bei einigen Ihrer Wissenschaftlerkollegen "unmöglich" zu machen?
Nein. Wer Vorurteile kultiviert, kann nicht erwarten, dass wir uns dem anpassen. Die Radiästhesie, die nicht selten vereinfachend als "Pendeln" bezeichnet wird, war bis vor etwa 200 Jahren unter Wissenschaftlern ein allgemein anerkanntes Messverfahren. Sie wurde sogar an einigen Montanuniversitä-ten Europas gelehrt. Namhafte Persönlich-keiten waren zugleich gute Rutengeher. Goethe zum Beispiel, selbst der berühmte Physiker Max Planck oder auch Ferdinand Sauerbruch, der bekannte Berliner Chirurg.
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Ist es für den Normalbürger nicht ziemlich schwer, sich auf diesem Gebiet vor Scharlatanen zu schützen?
Ja, aber nicht nur auf diesem Gebiet. Schar-latanerie, also vorgegaukeltes Können und Wissen ohne die erforderliche Grundlage, gibt es doch überall. Auch in der so genann-ten Schulwissenschaft und in der Hoch-schulmedizin. Mag sein, dass die Radiästhesie besonders anfällig ist für den "Virus" unseriöser Konzepte und für Geschäftema-cherei. Der Markt quillt ja geradezu über von Angeboten fragwürdiger Gerätschaf-ten, mit deren Hilfe man angeblich negative Raumqualität nicht nur orten, sondern auch korrigieren kann. (…)
Sind das die so genannten Abschirmgeräte?
Ja, doch bin ich sehr vorsichtig mit diesem Begriff. Meist handelt es sich um Apparatu-ren, die die negativen Einflüsse - sagen wir einer Wasserader - nicht abschirmen, son-dern in ihrer Wirkung ausgleichen sollen. Das ist vom Prinzip her durchaus möglich. Denn abschirmen kann man die Einwir-kung einer Wasserader nicht, weder mit einer Matte noch mit anderen Gerätschaf-ten. Das belegen unsere Forschungen.
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Das Beste ist, solchen negativen Orten aus dem Wege zu gehen. Das Bett oder ein anderer Platz, an dem man sich viele Stunden am Tage aufhält, sollte sich nicht an solchen Stellen befinden. Schließlich gehen Sie auch aus der prallen Sonne, wenn Sie Gefahr laufen, sich einen Sonnenbrand zu holen. Unsere Altvorderen haben um diese Zusammenhänge gewusst und sie auch be-rücksichtigt. Zum Beispiel, wenn sie ihre Wohnhäuser oder die Ställe für ihre Tiere errichteten. Die moderne Städteplanung weiß davon nichts mehr. Sie berücksichtigt ganz andere Aspekte. Zum Nachteil der Bürger. Leider.
In der alternativen Medizin, vor allem wenn sie sich mit der Therapie von Krebserkrankungen befasst, schenkt man jedoch geopathischen Belastungen wieder erhöhte Aufmerksamkeit. Warum wollen die Vertreter der Hoch-schulmedizin nichts davon wissen?
Das hat verschiedene Ursachen. Eine davon ist jedenfalls die alte Tatsache, dass sich moderne wissenschaftliche Erkenntnisse nur zögerlich durchsetzen. Mitunter erst in der übernächsten Generation. Als Marie Curie zu ihrer Zeit die Radioaktivität erforschte, war dieses Phänomen für die etab-lierte Wissenschaft und erst recht für die Medizin kein Thema. Heute weiß jedes Schulkind, dass es die radioaktive Strahlung gibt und dass sie für uns meist sehr schäd-lich ist.
Wir werden uns wohl immer wieder mit Erscheinungen befassen müssen, die man heute noch entweder für nicht existent oder für Humbug hält. Daran haben wir uns längst gewöhnt. (…)