Neue Ausgabe Oktober/November/Dezember 2009

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Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Jagd nach einem Phantom?

09.10.2007


Was, wenn die kommende Erderwärmung doch nicht das CO2 zur Ursache hat? / Ein Buch des Bertelsmann-Verlages gibt ernsthaft zu denken

Nicht wenigen hat es schon seit Langem Sorgen bereitet, dass der auf der Son­nenseite lebende Teil der Menschheit über seine Verhältnisse lebt und dadurch immer rascher die Natur zerstört. Wer das Fabelbild von der Ratte auf der schwimmenden Gurke, die ihre eigene Existenzgrundlage auffrisst, verstanden hatte, konnte nur erleichtert sein angesichts der jetzt einsetzenden Bemühungen, das Klima vor den Abgasen unseres industria­li­sierten Lebens zu schützen. Selbst die Advokaten des Sharholder-Value, die bis vor kurzem noch die Warner als lästige (Ge­winn)Spielverderber ausgrenzten, schienen dies gottlob endlich begriffen zu haben. Ausgerechnet in dieser Zeit augenscheinlicher Umkehr stellt uns ein kritischer Autor zwischen zwei Buchdeckeln Argumente kompetenter Klima­forscher vor, die von den offiziell bestätigten grundlegend ab­weichen, und stellt damit die Sinnhaftigkeit der auf breiter Front angelaufenen Klima-Ret­tungsaktion in Frage. Dürfen wir nun etwa einem politisch erwirkten Kon­sens, in dem wir uns trotz zu erwartender Be­las­tungen teilweise sogar auf­gehoben fühlen konnten, vielleicht nicht mehr vertrauen? Über die ernsthaften Beweggründe seines Buches "Der Klimaschwindel" sprachen wir mit dem bekannten Münchner Wis­senschaftsjournalisten Kurt G. Blüchel.

(...)

Herr Blüchel, Sie wenden sich in Ihrem Buch vehement gegen eine in­zwi­schen verbreitete Kli­ma­hysterie. Haben wir etwa keine Erwärmung der Erd­at­mosphäre zu erwarten?

Das Klima ist eine Achterbahn: Mal wird es auf der Erde wärmer, mal wird es kälter. So geht das seit ewigen Zeiten. Der Garten Eden, das biblische Paradies, war möglicherweise das Er­gebnis eines Klimawandels, und zwar einer Warm­periode. Die Temperaturen lagen zu die­sen Zeiten etwa zwei Grad Celsius über den heutigen. Bis auf der Erde in diesem Sinne mal wieder para­die­sische Verhältnisse einkehren, ha­ben wir also noch etwas Zeit. Falls nicht sogar unversehens das Wetter wieder kühler wird. Der soeben zu Ende gegangene Sommer könnte ja auch ein kleiner Vorgeschmack darauf gewesen sein. Dann aber gingen wir eher einer neuen Eis­zeit entgegengehen. So unzeitgemäß sich ein solches Szenario auch ausnehmen mag; zahl­reiche Wissenschaftler würde es nicht einmal über­ras­chen.

Aber laufen Sie damit nicht Gefahr, eine ernsthafte Bedrohung zu verharmlosen?

Nein, ich verharmlose nicht. Nicht im Ge­ring­s­ten! Ich sage nur: Wir wissen es einfach nicht! Die Meteorologen haben schon Mühe, das Wet­ter für die nächsten paar Tage exakt vor­aus­zu­sagen. Über Klimaprognosen für die näch­s­ten Jahre zu spekulieren, ist unter diesen Vor­aus­set­zungen reichlich naiv, um nicht zu sagen wissenschaftlich verbrämte Scharlatanerie.

Die kritischen Wissenschaftler, die Sie zitieren, bestreiten, dass das Kohlendioxid, das CO2, überhaupt die Rolle eines Treib­haus­­gases spielen kann.

Ja. , und das ist wirklich nichts Neues. Machen Sie sich in meinem Buch mit den Argumenten ernst zu nehmender Wissenschaftler vertraut! Man kann übrigens, wenn man das will, in jedem Physikbuch der gymnasialen Oberstufe nachlesen, dass CO2 kein Klimakiller ist.

Gibt es aber nicht einen statistischen Zu­sam­men­hang zwischen einer Erwärmung der Atmosphäre und einer Zunahme der CO2-Konzentration in ihr?

Wenn es überhaupt einen ursächlichen Zu­sam­menhang zwischen Temperatur und Kohlen­di­o­xid gibt, dann besagt er genau das Gegen­teil: In einem Abstand von etlichen hundert Jahren folgt eine CO2-Zunahme steigenden Tempera­turen. Nicht umgekehrt!

Warum aber um alles in der Welt kommt die tonangebende Wissenschaft nicht zu den von Ihnen vorgestellten Erkenntnissen?

Die wirtschafts- bzw. energiepolitischen Ent­schei­dungen in der EU, in der UNO und natür­lich erst recht in Deutschland sind gegen Kohle, Erdöl und Erdgas getroffen worden. Mit dem Argument: Dies sind die größten CO2-Schleu­dern. Mit dieser Weichenstellung allein lässt sich natürlich noch keine Trendwende herbeiführen. Deshalb wurde das CO2 als der große "Klima­killer" aufgebaut. (...)

Dann wäre aber mit der Wissenschaft wirklich nicht mehr alles in Ordnung.

Nun, das ist es schon lange nicht. Sobald sich Wissenschaft politisch instrumentalisieren lässt, ist es mit ihrer Glaubwürdigkeit vorbei. Wenn Erkenntnis-Wissen - aus welchen Grün­den auch immer - als Herrschaftswissen miss­braucht wird, dann geht es nicht mehr um Wahrheit, sondern nur noch um Macht. Der Macht aber sind tugendhafte Wissensmittler ein Dorn im Auge. Und seriöse Klimaforscher werden zu "Klima-Leugnern" gestempelt, so­bald sie wissenschaftliche Erkenntnis über die Interessen an der Herrschaftssicherung stellen. In Medizin und Gesundheit ist es ganz ähnlich.

Zurück zur eigentlichen Fragestellung: Der kluge Mann baut vor, heißt es. Könnte es uns denn schaden, die Emissionen von CO2 drastisch zu reduzieren? Wäre es wirklich so schlecht, wenn wir uns zu ener­gie­sparenden Autos und Elektro­gerä­ten bequemten?

Natürlich nicht! Ich habe mich als Journalist stets um eine saubere Welt und um die Be­wah­rung der Schöpfung bemüht. In diesem Sinne wäre es geradezu wunderbar, wenn wir in Zukunft unseren Energiehunger allein durch die Sonne stillen könnten, Dann bräuchten wir un­se­re wertvollsten Bodenschätze nicht, wie es bisher praktiziert wird, durch den Schorn­stein zu jagen. Wir sollten überhaupt mit all der uns zur Ver­fügung stehenden Energie effizienter um­gehen. Nur dürfen wir uns bei allem Spar­eifer nicht der Illusion hingeben, dass dann Klimawandel und Klimakatastrophen an uns vorübergehen. Das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun! (...)

Das Schlim­me ist: Bei allem Lamento über die in nächster Zeit über die Welt herein­bre­chenden Klima­ka­ta­strophen wird uns leider nicht gesagt, ob und wie wir uns vor Über­schwemmungen, Hagel­stür­men, Dürreperioden, Waldbränden, Hurri­kans und Tsunamis schüt­zen können.

Scheinbar geniale und Hilfe versprechende, Projekte zur Reduzierung der CO2-Emis­sionen, wie etwa die Seque­stie­rung dieses Gases in tiefen Erdschichten oder im Meer, würden - wenn die Kritiker Recht haben - also völlig ins Leere laufen?

Ja, und darüber hinaus mehr Schaden als Nutzen bringen! Wir haben doch noch nicht einmal die berechtigten Ängste vor dem Atommüll verdaut. Und da empfehlen uns Wissenschaftler und Politi­ker ­bereits allen Ernstes, ein neues Damokles­schwert über unseren Köpfen aufzuhängen. In diesem Falle unter unseren Füßen. Die Gefahren, die der Menschheit durch riesige CO2-Gräber tief unter der Erde oder am Grund der Ozeane drohen, sind ungleich gigantischer! Verheerende Erdbeben und apokalyptische Vulkanausbrüche sind schon dann zu befürchten, wenn nur ein Teil der jedes Jahr anfallenden 25 Milliarden Tonnen CO2 im Innern unseres Planeten beerdigt wird.

Sie nannten die Ängste vor dem Atommüll. Erhöhen wir nicht lebensbedrohliche Risi­ken, wenn wir mit dem Argument, CO2-Emissionen reduzieren zu müssen, die Kernkraft wieder "salonfähig" ma­chen?

Alle, die das harmlose Lebensmolekül CO2 verteufeln, sollten wissen, dass bei einer wei­teren Reduzierung von CO2-Emissionen zu­mindest auf absehbare Zeit die Weltwirtschaft ohne Tausende neuer Atomkraftwerke zu­sam­menbrechen würde. Man kann zum Atomstrom stehen, wie man will. Aber wer diesen Weg mit allen seinen Risiken gehen möchte, soll es, bitte­schön, sagen! Die alternativen Energien stehen ja bedauerlicherweise erst am Anfang ihrer Karriere.

(...)

Wenn Sie von Umweltfanatikern sprechen, könnte der Eindruck entstehen, Sie wende­ten sich generell gegen engagierte Warner, die uns unsere Sünden wider die Mutter Erde bewusst machen wollen. Sind deren Mahnungen nicht unverzichtbar?

Solange sie nicht von Angsttrompetern und selbst­ernannten Kassandra-Rufern kommen, sind Warnungen und auch Aktio­nen, die auf sie aufmerksam machen sollen, völlig berechtigt. Aber wenn beispielsweise eine "grüne" Lehrerin in Landshut ihren Kindern predigt, kein kohlensäurehaltiges Sprudelwasser mehr zu trinken, um damit die Erde zu retten - dann ist das purer Unsinn.

Die Gattung Mensch hat - ob CO2 nun der Klimakiller ist oder nicht - der Natur weiß Gott schreckliche Dinge angetan. Muss das nicht auf­hören, wenn wir überleben wollen? Gibt uns der Klima­wandel vielleicht Nach­hil­fe­unterricht, in dem wir endlich begrei­fen, dass wir uns ändern müssen?

Sie sprechen mir aus dem Herzen, und ich bin ziemlich sicher, dass die Gesellschaft aus ihrer gegenwärtigen Notlage wichtige Lehren ziehen wird. Vor allem solche, die uns Menschen würdig sind.

Was sollten die Politiker tun, um uns nach menschlichem Ermessen hinreichend auf den offenbar unvermeidbaren Klimawandel vorzu­bereiten?

Sie haben es gerade formuliert: auf die Gefahren vorbereiten! Es ist geradezu leichtfertig und verantwortungslos, die Öffentlichkeit mit der Parole beruhigen zu wollen: Macht dem CO2 den Garaus - und ihr werdet noch einmal um das sonst Unvermeidliche herumkommen! Hilf­reich sind allein mehr Wissen und mehr Auf­klärung über die heute leider zu wenig öffentlich diskutierten Sachverhalte. Sobald wir aufgrund besseren Wissens erkennen, dass der Run auf die CO2-Vermeidung einer völlig sinnlosen Phantomjagd ähnelt, werden wir die uns dabei auferlegten, angeblich ökologisch ­be­dingten Op­fer nicht bringen wollen. (...)

Woran liegt es, dass die Bevölkerung selbst in lebenswichtigen Fragen auch im 21. Jahrhundert immer noch getäuscht werden kann?

Weil Wissenschaftler missbraucht werden und sich missbrauchen lassen! Gegen Geld!

(...)

Sie widmen sich relativ ausführlich auch der Möglichkeit, dass die riesigen Methaneis-Lagerstätten am Grund der Ozeane gleich­sam explodieren könnten, und zwar mit unabsehbaren Folgen. Müssen wir uns viel­leicht auf Gefahren einstellen, die wir bisher überhaupt nicht für denkbar hielten?

Das ist durchaus möglich.

Eine neues Horror-Szenarium?

Ich habe an keiner einzigen Stelle meines Bu­ches behauptet, dass ich selbst Forschungen betreibe. Ich bin nur Reporter, ein Dolmetscher der Wis­sen­schaft. Ich berichte über wis­senschaftliche Er­kennt­nisse, so auch über eine möglicherweise bevor­ste­hende Methaneis-Ka­ta­strophe. Das ist nichts anderes als das Öffent­lich­machen wissen­schaftlicher For­schun­gen. Nicht mehr und nicht weniger. (...)

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