Neue Ausgabe Oktober/November/Dezember 2009

Die neue Ausgabe ist seit 29. Oktober 2009 im Bahnhofsbuchhandel und über Internetbestellung erhältlich.

Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Heiterer Ernst

Damit unser Planet ein blauer bleibe

04.07.2008


Eine Berliner Stiftung und die Symbolik zweier entgegengesetzter Preise

Der Begriff der Stiftung ist etwas in Verruf gekommen. Spä­tes­tens seit den Transaktionen eines nun ehemaligen Postchefs und zahl­reichen ähnlichen Aktivitäten, kraft derer so mancher Ba­tzen Steu­ergeld in südliche Berge "stiften" ging. Doch inmitten der gewaltigen Schar der Stiftungen in unserem Lande gibt es viele, die aller Ehre wert sind. Sogar sind manche darunter, deren ethische Prin­zipien, Mut und Mühen weit mehr ins Licht unserer Auf­merksamkeit gerückt werden müssten. Zu diesen ge­hört "ethe­con. Stiftung Ethik & Ökonomie" mit Sitz in Berlin. Wie ihr Name bereits ver­muten lässt, möchte sie (end­lich oder wieder?) etwas zu­sam­men­gefügt sehen, was nach unserer All­tagserfahrung eher wie Feuer und Wasser erscheint. 2008 gerade mal vier Jahre alt, also noch immer im Aufbau begriffen, ficht „ethe­con“ in­ten­siv und vielseitig für eine humane Ökonomie in der Welt.

Ist Wirtschaft machbar, ohne dass die einäugige Sucht nach Pro­fit nicht letztlich alles bestimmt? Lässt uns die Ar­beits­teilung unsere Mittel zum Leben auch dann noch effektiv pro­duzieren, wenn die Einen nicht mehr die Anderen um ihre Anteile bringen? Wie und wie sehr dürfen wir noch „wachsen“, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, unsere Mutter Erde zu stran­gulieren in dem Irrglauben, wir könnten uns je aus ihrem Schoße ab­nabeln? Zu jenen, die solcherart Fragen nicht nur stellen, son­dern auch prak­­tisch beantworten helfen, zählt diese Stiftung.

Eine ihrer friedlich scharfen Geschütze ist inzwischen die jähr­li­che Verleihung zweier Preise - des „Blue Planet Award“ und des „Black Planet Award“ zu schlicht Deutsch ein „Blauer-Planet-„ und ein „Schwarzer-Planet-Preis“. Die Symbolik ist deut­lich. Den ersteren, den anerkennenden Preis erhielt 2007 die in­di­sche Quantenphysikerin Dr. Vandana Shiva. Die Trä­ge­rin des alternativen Nobelpreises ist weltweit bekannt für ihren mutigen Einsatz gegen Biopatente, für ihren Kampf um die Erhaltung der Artenvielfalt des Lebens und nicht zuletzt auch bei uns durch ihr Buch „Erddemokratie“, das uns eine neue Sicht auf die Natur und ihre Rechte ans Herz legt.

Den anderen, den verurteilenden „Preis“ erhielten das Mana­ge­ment und das Gros der Aktionäre des Schweizer Lebensmittel­kon­zerns NESTLÉ. Der "Black Planet Award" ist ein kleiner Globus, der industriell aus Kunsstoff hergestellt wurde, unter umweltschädigenden und menschenfeindlich ausbeuterischen Arbeitsbedingungen. Die Preis-Schöpfer haben ihn schwarz „über­kleckst“. Damit wollen sie sagen: Derjenige, der diesen Straf-Pokal zugesprochen bekommt, riskiert und befördert mit seinem Tun, dass unser wunderbarer blauer Planet ein le­bens­feindlicher schwarzer wird.

2006 hatte den Schmähpreis bereits der US-amerikanische Kon­zern MONSANTO erhalten - vor allem für seine ag­gres­sive Gen­technik und seine weltweiten Umtriebe, die Lebens­mit­tel­produktion zu monopolisieren. NESTLÉ wird in erster Linie wegen seiner Versuche angeklagt, das Trinkwasser des Planeten mög­lichst vollständig in ein Objekt seines profit­trächtigen Mar­ke­tings zu verwandeln. Die anprangernde "Lau­datio" hielt Professor Dr. Erich Schöndorf. Der ehemalige Staatsanwalt und jetzige Hochschullehrer, damals wie heute gleichermaßen unbeugsam, ist Vorstandsmitglied der kritischen Organisation „Business Crime Control e. V.“ und bekämpft die Wirt­schafts­kriminalität inzwischen auch schriftstellerisch. Seine Schmährede kleidete er in das nachfolgende fiktive Interview, das uns glei­chermaßen erheitern wie ernst zu stimmen vermag.

Die Redaktion

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