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Heiterer Ernst
04.07.2008

Eine Berliner Stiftung und die Symbolik zweier entgegengesetzter Preise
Der Begriff der Stiftung ist etwas in Verruf gekommen. Spätestens seit den Transaktionen eines nun ehemaligen Postchefs und zahlreichen ähnlichen Aktivitäten, kraft derer so mancher Batzen Steuergeld in südliche Berge "stiften" ging. Doch inmitten der gewaltigen Schar der Stiftungen in unserem Lande gibt es viele, die aller Ehre wert sind. Sogar sind manche darunter, deren ethische Prinzipien, Mut und Mühen weit mehr ins Licht unserer Aufmerksamkeit gerückt werden müssten. Zu diesen gehört "ethecon. Stiftung Ethik & Ökonomie" mit Sitz in Berlin. Wie ihr Name bereits vermuten lässt, möchte sie (endlich oder wieder?) etwas zusammengefügt sehen, was nach unserer Alltagserfahrung eher wie Feuer und Wasser erscheint. 2008 gerade mal vier Jahre alt, also noch immer im Aufbau begriffen, ficht „ethecon“ intensiv und vielseitig für eine humane Ökonomie in der Welt.
Ist Wirtschaft machbar, ohne dass die einäugige Sucht nach Profit nicht letztlich alles bestimmt? Lässt uns die Arbeitsteilung unsere Mittel zum Leben auch dann noch effektiv produzieren, wenn die Einen nicht mehr die Anderen um ihre Anteile bringen? Wie und wie sehr dürfen wir noch „wachsen“, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, unsere Mutter Erde zu strangulieren in dem Irrglauben, wir könnten uns je aus ihrem Schoße abnabeln? Zu jenen, die solcherart Fragen nicht nur stellen, sondern auch praktisch beantworten helfen, zählt diese Stiftung.
Eine ihrer friedlich scharfen Geschütze ist inzwischen die jährliche Verleihung zweier Preise - des „Blue Planet Award“ und des „Black Planet Award“ zu schlicht Deutsch ein „Blauer-Planet-„ und ein „Schwarzer-Planet-Preis“. Die Symbolik ist deutlich. Den ersteren, den anerkennenden Preis erhielt 2007 die indische Quantenphysikerin Dr. Vandana Shiva. Die Trägerin des alternativen Nobelpreises ist weltweit bekannt für ihren mutigen Einsatz gegen Biopatente, für ihren Kampf um die Erhaltung der Artenvielfalt des Lebens und nicht zuletzt auch bei uns durch ihr Buch „Erddemokratie“, das uns eine neue Sicht auf die Natur und ihre Rechte ans Herz legt.
Den anderen, den verurteilenden „Preis“ erhielten das Management und das Gros der Aktionäre des Schweizer Lebensmittelkonzerns NESTLÉ. Der "Black Planet Award" ist ein kleiner Globus, der industriell aus Kunsstoff hergestellt wurde, unter umweltschädigenden und menschenfeindlich ausbeuterischen Arbeitsbedingungen. Die Preis-Schöpfer haben ihn schwarz „überkleckst“. Damit wollen sie sagen: Derjenige, der diesen Straf-Pokal zugesprochen bekommt, riskiert und befördert mit seinem Tun, dass unser wunderbarer blauer Planet ein lebensfeindlicher schwarzer wird.
2006 hatte den Schmähpreis bereits der US-amerikanische Konzern MONSANTO erhalten - vor allem für seine aggressive Gentechnik und seine weltweiten Umtriebe, die Lebensmittelproduktion zu monopolisieren. NESTLÉ wird in erster Linie wegen seiner Versuche angeklagt, das Trinkwasser des Planeten möglichst vollständig in ein Objekt seines profitträchtigen Marketings zu verwandeln. Die anprangernde "Laudatio" hielt Professor Dr. Erich Schöndorf. Der ehemalige Staatsanwalt und jetzige Hochschullehrer, damals wie heute gleichermaßen unbeugsam, ist Vorstandsmitglied der kritischen Organisation „Business Crime Control e. V.“ und bekämpft die Wirtschaftskriminalität inzwischen auch schriftstellerisch. Seine Schmährede kleidete er in das nachfolgende fiktive Interview, das uns gleichermaßen erheitern wie ernst zu stimmen vermag.
Die Redaktion