Regionale Chemo mit starker Wirkung und fast ohne Nebenwirkungen
Textauszüge:
Dass sich ein präoperatives Verkleinern von Tumoren durch Chemotherapie auch mit erheblich weniger Nebenwirkungen als üblich erreichen lässt, zeigt eine Studie, die von einem Kollektiv des Medias Klinikums Burghausen, Leitung Prof. Dr. med. Karl Aigner, Anfang dieses Jahres vorgestellt wurde.
Die Arbeit, die elektronisch unter www.cancer-therapy.org publiziert wurde, beschreibt eine Induktionschemotherapie bei primärem Brustkrebs, die allerdings intraarteriell, also gezielt regional verabreicht wurde. Diese zeitigt lokal schneller eintretende und bessere Ergebnisse und hat so gut wie keine Nebenwirkungen. Mit ihr wurden durchweg drastische Tumorverkleinerungen erzielt. Eine Amputation war danach in keinem einzigen Falle erforderlich! Bei jeder vierten in die Studie einbezogenen Patientin gaben Biopsien nach Abschluss der Therapie keinerlei Hinweis mehr auf maligne Zellen. Die OP musste hier also gar nicht mehr durchgeführt werden. Bei 48 Prozent der Frauen hatte sich der Tumor immerhin so stark verkleinert, dass er nicht nur schlechthin brusterhaltend, sondern sogar ohne jede kosmetischen Defekte operiert werden konnte. Die Lokalrezidivrate betrug innerhalb einer Nachbeobachtungszeit von 16 (!) Jahren lediglich 17 Prozent. Nach diesem langen Zeitraum lebten noch 87 Prozent der Patientinnen. Zwischen den Behandlungen waren die Frauen voll aktiv.
Bei dieser Behandlung wird das Medikament, das Zytostatikum, stets über die den Tumor oder die Tumorregion mit Blut versorgende Arterie zugeführt. Dadurch wird bereits bei der ersten Passage des Blutes durch den Tumor eine größere Menge des Zellgiftes von dem entarteten Gewebe aufgenommen, wo es wirken kann.
Der Rest des Chemotherapeutikums gelangt zwar, nachdem es die Tumorregion durchströmt hat, in der Regel in den gesamten Blutkreislauf. Aber erstens ist das eine geringere Menge und erreicht mithin dort keine so stark zellschädigende Kon-zentration mehr. Zweitens sorgt eine unmittelbar nach der arteriellen Infusion durch-geführte Entgiftungsmaßnahme dafür, dass das Chemotherapeutikum rasch wieder aus dem Körper ausgeleitet wird.
Ob der Einsatz einer regionalen Chemotherapie letztlich auch angezeigt ist, hängt nicht nur von der Sensitivität, also der Empfindlichkeit, des Tumors ab, sondern auch sehr vom Zustand seiner Blutversorgung. So sehr im Normalfall die Durch-blutung das Wachstum des Tumors fördert (Er „stimuliert“ ja bekanntlich die Bil-dung neuer Blutgefäße.), so sehr ist sie bei dieser und manch anderer medikamen-tösen Behandlung eine Voraussetzung für die therapeutische Antikrebswirkung.
Obwohl die wirklich guten Ergebnisse bekannt sind, mangelt es leider nicht an einer wenig begründeten Kritik. Die regionale Chemotherapie (RCT) gilt nach wie vor als nicht leitliniengerecht. Sie hat unverständlicherweise noch keinen Eingang in den so genannten Standard der Onkologie gefunden.