Neue Ausgabe April /Mai /Juni 2009

Die neue Ausgabe ist seit 30. April 2009 im Bahnhofsbuchhandel und über Internetbestellung erhältlich.

Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Brauchen Sportler mehr davon?

PD Dr. med. Boris Schleiffenbaum, Labor Viollier, Allschwill/Basel, 08.04.2008


Fragen an die Referenten

"PROVOkant": Herr Dr. Schleiffenbaum, Sie beschäftigen sich seit Jahren mit dem Problem der Eisenmangelanämie. Konnten Sie eine Antwort auf folgende, noch offene Frage finden: Wie kommt es, dass ein Teil der Patienten oft schon Jahre vor dem Auftreten einer Eisenmangelanämie unter verschiedenen Symptomen leidet, der andere hingegen nicht?

Teilweise ist dies dadurch zu erklären, dass ein funktioneller Eisenmangel einer manifesten Eisenmangelanämie vorausgeht. Teilweise wohl auch dadurch dass es für die unspezifischen Symptome des Eisenmangels auch andere Ursachen gibt, die im Leben leider häufig sind: Stress, Überlastung, psychische und soziale Notsituationen sowie viele, auch häufige Krankheiten. Eine medizinische Abklärung auch dieser unspezifischen Symptome ist daher absolut notwendig. Und: Nur ein labormäßig ausgewiesener Eisenmangel ist auch wirklich ein Eisenmangel.

Die Erfahrungen der ärztlichen Eisenzentren zeigen, dass Eisentabletten zwar bei einer Anämie in der Regel nach wenigen Wochen einen Behandlungserfolg zeigen (eine Normalisierung der Anämie), jedoch die durch Eisenmangel bedingten Symptome wie depressive Verstimmungen, Konzentrationsstörungen etc. auf solche Tablettenkuren meistens nicht ansprechen. Besserung oder gar Heilung dieser Beschwerden tritt in den meisten Fällen erst durch eine gezielte intravenöse Aufsättigung ein. Wie kann man sich das erklären?

Ich kann dieser Aussage auf Grund meiner persönlichen Erfahrung und auch auf Grund meiner Kenntnisse der Fachliteratur nicht zustimmen. Eine intravenöse Eisengabe halte ich erst dann für indiziert, wenn wir es auf Grund gastrointestinaler, also Magen-Darm-Erkrankungen mit entsprechenden Resorptionsstörungen zu tun haben oder aber eine Einnahme von Antacida erfolgt. Derartige Resorptionsstörungen können übrigens auch durch andere Erkrankungen wie beispielsweise chronische Niereninsuffizienz oder Entzündungen hervorgerufen werden.

Bei anderen Konditionen sollten also Ihrer Auffassung nach keine Infusionen gegeben werden?

Das muss von Fall zu Fall entschieden werden. Natürlich kann eine intravenöse Eisen-Therapie auch dann gerechtfertigt sein, wenn die Eisenverluste so gross sind, dass sie mit der Einnahme von Tabletten nicht mehr ausgeglichen werden können. Erst recht dann, wenn der Patient die Tabletten-Therapie nicht verträgt. Und schliesslich ist eine intravenöse Eisengabe auch dann sehr sinnvoll, wenn man vermittels einer Gabe von Eisen testen möchte, ob sich die in Rede stehenden Beschwerden des Patienten - oder auch seine Laborbefunde - durch Substitution von Eisen auch tatsächlich beeinflussen lassen. Nur so kann man sicher gehen, dass der Körper des Patienten Eisen auch wirklich erhalten und aufgenommen hat.

Risiken sehen Sie bei der Infusionstherapie aber nicht?

Eine intravenöse Therapie stellt gegenüber der per oralen Therapie immer auch ein zusätzliches Risiko für den Patienten dar. Allerdings ist es im Falle der Eisentherapie bei der Wahl der richtigen Darreichungsform des intravenösen Eisens recht klein.

Welche sind die wichtigsten krankhaften Veränderungen, zu denen es im Bereich der Blutbildung kommt, sofern Eisenmangel besteht?

Bei entsprechend ausgeprägtem Eisenmangel vermindert sich die Bildung unseres eisenhaltigen „Sauerstoff-Transporters“ Hämoglobin und dessen Einbau in die Erythrozyten, die roten Blutkörperchen. Das Hämoglobin nennt man ja auch den roten Blutfarbstoff. Bei seiner krankhaften Verringerung in den roten Blutzellen, der Hypochromasie, kann man deshalb meist eine große zentrale Aufhellung der Erythrozyten feststellen, wenn man sie unter dem Mikroskop betrachtet. Später werden dann vom Körper auch weniger rote Blutzellen produziert. Das nennen wir dann Anämie mit all den Folgen für die Sauerstoffversorgung des Organismus.

Spitzensportler weisen oft Eisenmangel auf, nicht selten zusammen mit einer Anämie. Verlieren sie Eisen? Oder "verbrauchen" sie davon mehr als der "Normalmensch"? Welche Stoffwechselabläufe sind hierfür verantwortlich?

Einerseits können sie tatsächlich Eisen verlieren. Durch Mikroblutungen, z. B. im Darm, die infolge von Überanstrengung durch Sauerstoffarmut in dem betreffenden Organ auftreten. Andererseits brauchen Sportler mehr Eisen für den verstärkten Aufbau von Muskeln und von Blut. Beide enthalten in ihren wichtigsten molekularen Bausteinen, dem Myoglobin und dem Hämoglobin, dieses wichtige Element.

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