Neue Ausgabe April /Mai /Juni 2009

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Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Das Ende der dicken Bäuche

08.04.2008


Bedenklicher Kohlehydratüberschuss / Eine unkonventionelle Empfehlung / Gespräch mit Dr. med. Hansruedi Fischer, Aeugst am Albis, Schweiz

"PROVOkant": Herr Dr. Fischer, Sie haben ein Ernährungskonzept entwickelt, das Sie "Tremonte" nennen. Was können sich unsere Leser unter diesem Konzept vorstellen?

Dr. med. H. Fischer: Tremonte ist ein umfassendes ärztliches Gesundheitskonzept. Es beinhaltet eine medizinische Risikoanalyse auf Grund der Erkenntnisse über das metabolische Syndrom, die diversen Stoffwechselerkrankungen. Etwa die Hälfte aller uns bekannten Krankheiten - so zeigen aktuelle Forschungsergebnisse - treten bei jenen Menschen auf, die einen vergrößerten Bauchumfang haben. Frauen sind bereits bei über 80 cm, Männer bei über 94 cm Bauchumfang erkrankungsgefährdet. Tremonte nun beinhaltet eine ganzheitliche Risikoanalyse, welche sich sowohl auf den Körper mit seiner Biochemie als auch auf Geist und Seele bezieht. Der spezialisierte Tremonte- Arzt nimmt sich Zeit für vertiefte Gespräche und eingehende Untersuchungen, um die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten des Patienten genau kennen zu lernen. Auf Grund der Resultate dieser Untersuchung erhält der Patient ein individuelles Ernährungskonzept sowie Ratschläge zur Lebensführung. Der Tremonte- Score bietet dem Patienten Transparenz im Hinblick auf seine aktuelle Befindlichkeit und dessen messbare Entwicklung.

Auf welchen Erkenntnissen beruht das Tremonte-Konzept?

Die heutige Ernährung mit ihrem massiven Kohlenhydrat-Überschuss hat dazu geführt, dass 75% der Erwachsenen über 40 Jahre und 40 % der Kinder einen erhöhten Bauchumfang und Übergewicht haben. Noch 1971 hatten wir lediglich 15% übergewichtige Menschen. Weitere Gründe für die heutige Situation liegen darin, dass 40% der Kalorien morgens eingenommen und oft häufige kleine Mahlzeiten oder Zwischenmahlzeiten, die so genannten Pausensnacks, empfohlen werden. Die offiziellen Ernährungsempfehlungen, zum Beispiel die Lebensmittelpyramide, sind unserer Ansicht nach ebenfalls verantwortlich für die aktuelle Situation.

Wodurch unterscheidet sich Ihr Konzept von den gängigen Richtlinien? Offenbar weicht es von der so genannten Lehrmeinung der Ernährungswissenschaftler ab. Wie begründen Sie das?

Tremonte ist ein ärztliches Konzept. Wenn sich 75% der Menschen in unserem Land falsch ernähren, dann stecken wir wirklich in einer Sackgasse. Aber ist man in eine Sackgasse geraten, dann muss man bekanntlich rückwärts wieder herausfahren. Aus diesem Grunde heisst die Tremonte-Ernährung auch nutrition reinvented. Ernährung und Freude am Essen wiederentdecken - das ist die Idee von Tremonte. Diese Ernährungsweise ist kohlenhydratreduziert, mediterran und - entgegen heute noch üblichen Ratschlägen - abendbetont. Abends sitzt man ja bekanntlich mit Gästen zusammen. Nach Tremonte geschieht das zugleich bei vollem Teller.

Diese Art von Ernährung ist physiologisch begründet. Nachts sind nämlich unsere inneren Organe unter dem parasympathischen Nervensystem aktiv. Es ist z. B. wenig sinnvoll, Menschen mit diabetischer Stoffwechsellage häufige, kleine, kohlenhydratbetonte Mahlzeiten zu empfehlen, wie dies leider der aktuellen akademischen Lehrmeinung entspricht. Auf diese Weise wird der Insulinapparat nur übermäßig strapaziert.

Meinen Sie, dass unter anderem deshalb selbst in den reichen Industrieländern die Nahrung qualitativ mangelhaft ist?

Die Nahrung ist auch hier minderwertig - quantitativ und vor allem qualitativ. Die industrielle "food production" mit ihren vielen Konservierungs- und sonstigen Zusatzstoffen - wir kennen ja die lange Liste der E-Nummern -, bringt ausgesprochen minderwertige Nahrungsmittel hervor. Man weiß ferner auch, dass Fruchtzucker, der sehr unbedacht vielen Nahrungsmitteln zugesetzt wird, einer der Hauptauslösefaktoren des metabolischen Syndroms ist. Und man weiß auch längst, dass künstliche Süßstoffe dick machen. Die Zusatzstoffe in der Nahrung beinträchtigen überdies auch die Eisenaufnahme im Darm.

Sehen Sie nun im Tremonte-Konzept eine Möglichkeit, diverse Stoffwechselkrankheiten auch ohne Medikamente wirksam zu behandeln?

Durchaus. Ich sage meinen Patienten immer: "Tremonte ist die nichtmedikamentöse Variante zur Behandlung des metabolischen und auch des Insulinresistenzsyndroms". Wenn es gelingt, den Bauchumfang unter die kritische Grenze von 80/94 cm zu reduzieren, dann brauchen Patienten in der Regel keine Medikamente mehr. Ihre Blutzucker-, Blutdruck-, Cholesterin- und Triglyceridwerte normalisieren sich völlig. Viele körperliche Beschwerden verschwinden dabei, und den Menschen geht es auch psychisch viel besser.

Hat Ihr Konzept bereits eine Erfolgsgeschichte?

Tremonte ist ein junges Konzept. In der Schweiz arbeiten jedoch bereits 15 Ärztinnen und Ärzte danach. Wenn wir uns die Gewichtsabnahmen bei einigen Hundert Patienten in den vergangen 3 Jahren anschauen und sie mit den Ergebnissen anderer Konzepte vergleichen, dann dürfen wir durchaus stolz sein: 8-15 kg verlieren die Patienten innerhalb von 6-8 Monaten, und die Bauchumfänge gehen dabei entsprechend um 10-30cm zurück. 50% der Patienten normalisieren nachweislich ihren Bauchumfang und sind damit ihre Stoffwechselkrankheiten auch meist los.

Sicherlich liegt ein Teil dieser Erfolgsgeschichte darin begründet, dass die Patienten Tremonte selber bezahlen müssen. Bezahlung aus eigenem Sack fördert die Motivation. No pain - no gain!

Wir sehen auch viele Parallelen unseres Konzepts zu dem, wie Dr. Schaub an die Problematik des Eisenmangels herangeht. Auch Tremonte kommt aus der Arztpraxis und steht im Gegensatz zur etablierten Lehrmeinung. Auch wir sammeln und korrelieren aufschlussreiche Daten über Gesundheitszustand und Behandlungsergebnisse bei unseren Patienten, selbstverständlich nur mit deren Einverständnis. Die Erfolge geben uns immer mehr Recht.

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