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Prof. Dr. med. Christian Breymann, Universität Zürich, 08.04.2008

Fragen an die Referenten
"PROVOkant": Herr Professor Breymann, Sie geben Frauen im Wochenbett seit Jahren Eiseninfusionen. Wie kam es dazu? Schliesslich entspricht dieses Vorgehen nicht der offiziellen Lehrmeinung, ist aber offenbar sehr erfolgreich.
Professor Breymann: An der Klinik für Frauenheilkunde geben wir seit Anfang der 90er Jahre Eiseninfusionen bei Frauen mit Anämie im Wochenbett, also nach einem erhöhten Blutverlust. Eine Eisengabe im Wochenbett entspricht durchaus der Lehrmeinung, wobei sie sich allerdings bisher meist auf die Verabreichung von Eisentabletten beschränkte. Da wir jedoch nunmehr über sichere und wirksame intravenöse Eisenpräparate verfügen, werden diese als Alternative eingesetzt. Dieses Vorgehen wird auch so im neusten Expertenbrief der Schweizer Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe vorgeschlagen.
Noch heute geben die meisten Gynäkologen aber nur Eisentabletten, obwohl sie wissen, dass diese bei den meisten Patientinnen kaum wirken und zudem oft schlecht vertragen werden.
Die Situation ist nicht neu, und sie wurde von aufmerksamen Kollegen auch immer beobachtet und entsprechend berücksichtigt. Allerdings kann man in letzter Zeit von einer zunehmenden Sensitivität für das Problem des Eisenmangels sprechen, nicht zuletzt durch eine wachsende Nachfrage seitens der davon betroffenen Frauen. Im Prinzip sind Eisentabletten durchaus wirksam, sofern das geeignete Präparat gewählt und in der richtigen Dosierung (zudem nüchtern und fraktioniert) sowie über einen längeren Zeitraum eingenommen wird. Viele Patientinnen sind aber nach einiger Zeit frustriert, wenn sie keine Wirkung bemerken. Immerhin dauert es oft Monate bis Jahre, bis die Eisenspeicher gefüllt sind. Daneben klagen bis zu 30% der betroffenen Frauen darüber, dass sie Eisentabletten nicht vertragen. Intravenöse Eisengaben sind dann eine gute Alternative. Allerdings sollte man streng auf die richtige Indikation achten. Persönlich appliziere ich sie nur, wenn gesichert ist, dass orales Eisen nicht wirkt.
Wie steht es Ihren Erfahrungen nach in der Regel um die Eisenwerte im Blut von Neugeborenen? Nicht wenige Schwangere weisen bekanntlich einen Eisenmangel auf. Hat das Folgen für den Fötus?
Offensichtlich. Neugeborene von Müttern mit Eisenmangel haben bekanntermaßen niedrigere Eisenspeicher bei der Geburt. Und das hat nicht selten auch gesundheitliche Auswirkungen für das Neugeborene in den folgenden Lebensjahren. Aber auch bereits in der Schwangerschaft ist ein Eisenmangel mit Risiken für Mutter und Fötus verbunden. Das ist in zahlreichen Studien belegt worden.
Es soll, wie man hört, spezielle Entbindungstechniken geben, mit denen der Eisenmangel bei Neugeborenen angeblich wirkungsvoll vermindert werden kann. Es heißt, man trenne die Nabelschnur zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt und erreiche dadurch den gewollten Effekt. Können Sie uns dazu nähere Informationen geben?
Wichtig ist, nach der Geburt die Nabelschnur möglichst auspulsieren zu lassen und sie, wenn möglich, in Richtung Neugeborenes auszustreifen, also vor der Abnabelung das Blut quasi mit der Hand zum Neugeborenen hin zu massieren. Dadurch wird dem Baby eisenreiches plazentares Restblut zugeführt, was seine Eisenreserven deutlich erhöht. Besonders wichtig ist dies für Frühgeborene.