Neue Ausgabe April /Mai /Juni 2009

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Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Neue Laborwerte und der Nachweis von Eisenmangel

Dr. med. Claude Rothen, 08.04.2008


Zahlreiche klinische Erfahrungen deuten darauf hin, dass weite Teile der Bevölkerung in einer Eisenmangel-Situation leben. Dies wirft die Frage auf, ob und wie sich diese Beobachtung labormedizinisch belegen lässt und inwieweit hier sogar eine Korrelation zwischen klinischen Verläufen und den entsprechenden Laborparametern besteht. Nicht zuletzt schließlich muss in diesem Zusammenhang geklärt werden, welche Auswirkungen das alles auf die Bestimmung der Referenzbereiche für die in Frage kommenden Laborwerte hat.

Das Ferritin

Wichtigster Parameter zur Einschätzung der Eisenreserven des menschlichen Körpers ist das Ferritin. Ferritin ist ein Eisen-Molekül mit einem Molekulargewicht von 450 kd (Kilodalton), mithin rund 450.000mal so schwer wie ein Wasserstoffatom. Es setzt sich aus 24 Proteinuntereinheiten zusammen, die zu einer Hohlkugel geformt sind, welche in ihrem Innern bis zu 4000 Eisenatome speichern kann. Das Ferritin-Molekül liegt in unterschiedlichen Formen vor - den Isoferritinen -, was in der Analytik beachtet werden muss. Denn ihre unterschiedliche Immunreaktivität führt dazu, dass sie verschieden stark erkannt werden. Dies auch, obwohl die entsprechenden Methoden nach internationalem Standard geeicht sind.

Die Problematik der Referenzwerte

Die Referenzwerte für Ferritin, mit anderen Worten: jene Werte für diesen Blutbestandteil, die als normal bzw. empfehlenswert eingestuft werden, ermittelt man, wie das für die meisten Parameter geschieht, aus den Durchschnittswerten gesunder Probanden. Oftmals handelt es sich dabei um Kollektive von Blutspendern. Für Frauen und Männer kommt man dabei zu unterschiedlichen Referenzbereichen. Bei Frauen werden bislang Ferritin-Konzentrationen zwischen 10 und 30 ng/ml, bei Männern zwischen 100 – 300 ng/ml als normal angesehen. In nicht wenigen Bereichen erscheinen inzwischen die etablierten Referenzbereiche zumindest problematisch. Hier einige Beispiele:

  1. Der durchschnittliche Body-Mass-Index entspricht nicht mehr den heutigen Vorstellungen von Gesundheit.
  2. Die durchschnittliche Cholesterinkonzentration im Blut liegt höher als der Schwellenwert für ein erhöhtes Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.
  3. Die mit dem Alter ansteigenden PSA-Konzentrationen (in denen man oft einen Indikator für Prostatakarzinome sieht) entsprechen in Wirklichkeit nicht den Werten, die schulmedizinisch angestrebt werden.
  4. Die derzeit durchschnittliche Magnesiumkonzentration liegt bereits im Bereich der Mangelsymptomatik.
  5. Die durchschnittliche Konzentration von Vitamin D liegt heute eindeutig unterhalb des Wertes, der mit gesunden Knochen korreliert.
  6. Wenn die Werte für TSH, d. h. für die im Blut gemessene Konzentration jenes Hypophysenhormons, das unsere Schilddrüse stimuliert, zwischen 2 und 4 U/l liegen, wird dies oftmals noch als normal beurteilt. In der Tat kann es jedoch bereits in diesem Bereich zu leichten Hypothyreosen (Schilddrüsenunterfunktionen) kommen.

Höhere Zielwerte bei Ferritin

Die Auswertung der bisherigen Beobachtungen des Eisenmangels deutet jedoch stark darauf hin, dass Wohlbefinden und Gesundheit sowohl bei Frauen als auch bei Männern einen Konzentrationsbereich von Ferritin erfordern, der auf jeden Fall über 100 ng/ml liegt. Aufgrund dieser Datenlage sind bereits einige Laboratorien dazu übergegangen, höhere Zielbereiche für Ferritin anzugeben: für beide Geschlechter 50 bis 200 ng/ml.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Anwendung neuer, auf den aktuellen Erfahrungen beruhender Zielbereiche erlaubt es, mit Hilfe von Laboranalysen jene Patienten zu identifizieren, deren Eisenspeicher leer sind. Weitere Marker, die zur Charakterisierung von funktionellem Eisenmangel eingesetzt werden, sind das Transferrin, die Transferrinsättigung, die löslichen Transferrinrezeptoren, Zink-Protoporphyrin und andere Parameter. Es stellt sich die wichtige Aufgabe, Stellenwert und Einsatz dieser Marker in weiteren Studien zu untersuchen.

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