
Die neue Ausgabe ist seit 29. Oktober 2009 im Bahnhofsbuchhandel und über Internetbestellung erhältlich.

Nachgedrucktes
29.01.2009

Herbie-fotolia.com
Vor einem Zusammenbruch haben es alle schon immer gewusst.
Der späte Offenbarungseid des ungezügelten Marktes.
Vor mehr als dreißig Jahren, Mitte der Siebziger, versuchte der Bauernsohn, Umweltschützer und promovierte Philosoph Herbert Gruhl mit seinem Buch „Ein Planet wird geplündert“ seine Zeitgenossen zu warnen: Wenn ihr so weiter lebt und wirtschaftet wie bisher, werdet ihr die Erde zerstören! - Er wurde als Spinner verlacht und als Erfinder von Horrorszenarien bekämpft. Und dies durch Leute vom Coleur jener Politiker, die sich heute vor schmelzendem Grönlandeis fotografieren lassen. „Alzheimer“ ist eine schlimme Krankheit einzelner Menschen, die sich trotz intensiver Forschung noch immer nicht heilen lässt. Für die massenhafte politische Gedächtnisschwäche indes gibt es bisher nicht nur keine Heilung; sie scheint geradezu erwünscht.
Anders ist es nicht zu verstehen, dass angesichts der in Fahrt gekommenen Gesellschaftskrise uns offenbar wieder alles zu entfallen droht. So auch die Programme derer, die es zuließen, ja beförderten, dass die Narrenfreiheit des Geldes uns in die heutige Senke stieß. (Ob es eine Untiefe, gar ein Abgrund ist, wissen wir noch nicht!) Muss die Diagnose nicht schon „politische Demenz“ lauten, wenn wir noch immer geneigt sind, solchen Leuten Glauben zu schenken und sie demnächst wahrscheinlich wieder zu wählen?
In der Zweimonats-Zeitschrift „Wirtschaft und Markt“ schrieb kürzlich Heiner Flassbeck, Chefvolkswirt der UN-Organisation für Handel und Entwicklung: „Jetzt, wo alles zusammenzubrechen droht, haben es alle schon immer gewusst.“ Der langjährige Kolumnist dieses unabhängigen Journals analysiert in einer vierteiligen Serie die Finanzkrise und ihre Folgen für die deutsche und internationale Wirtschaftspolitik. Indem er aus der Analyse dieses Prozesses heraus mögliche Strategien zu ihrer Überwindung entwickelt, leistet er auch gleichsam seinen Beitrag zu einer Therapie unserer schon chronisch gewordenen politischen Vergesslichkeit. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages drucken wir deshalb die erste Folge dieser Serie nach.
Ein großes Casino
Finanzmarkt (1)
Gedanken-Splitter aus dem nachgedruckten Beitrag: