Neue Ausgabe Oktober/November/Dezember 2009

Die neue Ausgabe ist seit 29. Oktober 2009 im Bahnhofsbuchhandel und über Internetbestellung erhältlich.

Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Achtsamkeit

Elke Linder, 11.05.2009


Oder: Vom ewigen Warten auf den richtigen Zeitpunkt.
Eine wichtige Erfahrung aus Gesprächen in der ganzheitlichen Krebsberatung.

Bei vielen Beratungen in der letzten Vergangenheit wurde ich immer häufiger mit dem Problem konfrontiert, wann wohl der richtige Zeitpunkt für eine lebensnotwendige Entscheidung ist. Vielen Patienten, die diverse schulmedizinische und komplementäre Therapien schon hinter sich gebracht haben und doch nach geraumer Zeit immer wieder mit neuen Symptomen und Rückschlägen konfrontiert werden, stellt sich immer wieder die Frage: „Ist denn alles umsonst gewesen? Warum haben die Therapien nicht den gewünschten Erfolg gebracht?“. Auffallend ist dann in den meisten Fällen, dass es im Vorfeld der Erkrankung schon lange eine destruktive Situation gegeben hat - Stress im Berufsleben, oft vor allem aber Stress im familiären oder privaten Bereich. Sprach ich die Betroffenen konkret daraufhin an, dann sprudelte es meist bei vielen nur so heraus: der zermürbende Druck im Verhältnis zum Partner, den man jahrelang so hingenommen hat, die lähmende Sorge um den Arbeitsplatz und vieles mehr.

Auszüge aus dem Artikel:

Albert Einstein hat es einmal treffend formuliert: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ Darauf angesprochen, wissen die meisten durchaus, welche Personen oder Konstellationen Stress verursachen und ihnen permanent Energie entziehen. Warum ist es dann trotzdem so schwer, diese Umstände zu ändern oder sie einfach nicht mehr zuzulassen? Warum macht uns jede Form von Veränderung so viel Angst? Gerade wenn man an Krebs erkrankt ist, geht es in den meisten Fällen ohne Änderungen nicht ab.

Neulich habe ich mit einer jungen Frau gesprochen. Nach der Diagnose Brustkrebs hatte man ihr die Brust abgenommen. Jetzt sitzt sie vor mir und weint, denn alles hat offenbar nichts genutzt: ein erneuter Rückfall! Wie kann das sein? ... Endlich erzählt sie doch mehr -  von ihrer Unzufriedenheit darüber, dass nichts mehr so läuft, wie es sollte, und das schon seit geraumer Zeit. Beide leben nur noch nebeneinander her. Auch endlose Gespräche bei Ehe-Therapeuten brachten keinen Erfolg. Und wenn sie es genau betrachtet, „ist da gefühlsmäßig“ nichts mehr. Was blieb ist Gewohnheit. Schon des Öfteren spielte sie mit dem Gedanken einer Trennung, ein neues Leben mit einem anderen Partner zu leben. Aber immer wieder war da diese Angst vor dem letzten Schritt. Schon allzu lange wartet sie nun schon auf den „richtigen“ Zeitpunkt. Doch wann ist der?

Gibt es ihn überhaupt, diesen richtigen Zeitpunkt? Ist er nicht spätestens in dem Moment da, wenn ich krank geworden bin? Oder aber doch schon viel früher -  wenn meine Gedanken sich immer wieder um dieselben „Probleme“, dieselben „Herausforderungen“ drehen? Ich persönlich denke, dass der „richtige“ Zeitpunkt nur von jedem einzelnen gefunden werden kann und muss und dass er nicht von äußeren Situationen und Konstellationen abhängig sein darf. So verlockend es auch erscheinen mag, wenn man für die eigene Krise einen anderen Menschen oder aber eine bestimmte Situation dafür „verantwortlich“ machen kann; dafür, dass sich noch immer nichts geändert hat und man nach wie vor in dieser verfahrenen Situation steckt! Obwohl man sie doch längst „so gerne anders gehabt hätte“ ...

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