Neue Ausgabe Oktober/November/Dezember 2009

Die neue Ausgabe ist seit 29. Oktober 2009 im Bahnhofsbuchhandel und über Internetbestellung erhältlich.

Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Nachgedrucktes

Gradmesser für eine intakte Umwelt

11.05.2009


Helmut-J.Salzer-pixelio

Unterstützen wir die Honigbienen, so unterstützen wir uns selbst.

Das Interesse des Menschen an der Honigbiene ist uralt. Besaßen die Bienen für unsere Vorfahren vor allem als Honig- und Wachsproduzenten Bedeutung, erlebt das Interesse an Bienen beim modernen Menschen offenbar aus anderen Gründen eine echte Renaissance. Albert Einstein (1879 - 1955) hat es einmal so formuliert: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr...“ Dieser Satz sollte, was seine Zeitangabe anbelangt, nicht absolut aufgenommen, sondern eher als „Einsteinsche Bienen-Relativität“ verstanden werden. Er besitzt aber einen wahren Kern. Bienen sind sowohl Gradmesser für eine intakte Umwelt als auch wesentliche nachhaltige Umweltgestalter mit einer Bedeutung, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Honigbienen bieten für die biomedizinische Grundlagenforschung eine lange Liste höchst relevanter Ansätze: Ihr angeborenes Immunsystem, dessen Erforschung wichtige Erkenntnisse für den Menschen verspricht, eignet sich hervorragend zum Studium von Grundsatzfragen. Die extrem unterschiedliche Lebensspanne genetisch gleicher Bienen, die aber unterschiedlichen Umweltbedingungen ausgesetzt sind,  bietet der Alterungsforschung ein weites Feld. Die optimale Aufzuchttemperatur der Bienenpuppen, die unserer eigenen Körpertemperatur auffallend nahe liegt, eröffnet spannende Fragen.Ein flächendeckender gesunder Bestand an Honigbienen ist unverzichtbar für die Ökologie und Ökonomie vieler Regionen dieser Erde. Dieser Bestand kann nur aufrechterhalten werden, wenn wir Innenleben und Funktion des Superorganismus so gut verstehen, dass wir ihn, wo nötig, gezielt unterstützen können. Dazu ist eine zunehmend aufwendigere Grundlagenforschung in enger Zusammenarbeit mit der imkerlichen Praxis unabdingbar. Die ganzheitliche Betrachtungsweise der organismischen Biologie bietet uns einen Rahmen, innerhalb dessen wir den Geheimnissen der Honigbienen mit den modernsten physikalischen und molekularbiologischen Methoden auf den Grund gehen wollen.

Unterstützen wir die Honigbienen, so unterstützen wir uns selbst.

Diesen Text entnahmen wir mit freundlicher Genehmigung des Autors seinem Buch „Phänomen Honigbiene“, erschienen bei Elsevier Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 2007.

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