Verbündete
Wider das herkömmliche Geschäftsinteresse
11.05.2009

Andre Bonn-fotolia.com
Auch im letzten Heft haben wir unter der Rubrik „Verbündete“ gesellschaftliche Kräfte vorgestellt, die außerhalb des etablierten Parteiensystems politische Verantwortung übernehmen. Es waren jene international vereinten Ärzte, die ihre Stimme vernehmbar, beharrlich und mutig erheben, um vor allem den atomaren Wahnsinn aus der Welt zu verbannen - den militärischen wie den zivilen. Wir fragten, ob derartige Aktivitäten nicht ein Zeichen dafür sind, dass die Zeit der neuen, freiwilligen Politstrukturen anbricht, von Strukturen, die unsere bedrohte Demokratie nicht aufheben, sondern anheben. Wer sich die Mühe macht, im Internet die Selbstdarstellungen solcher Organisationen, Vereine, Verbände etc. zu überschauen und dabei die Spreu vom Weizen zu trennen, der wird feststellen, dass diese vielfältigen Initiativen bereits Legion sind. In Deutschland gibt es derzeit etwa 17.000 Stiftungen. Die meisten davon sind Familien-, Kirchen-, Partei-, Staats- oder gar Konzernstiftungen. Oftmals wurden sie eingerichtet, um private Vermögen zu mehren, nicht selten auch, um karitativ oder kulturell tätig sein zu können. Eine gemeinnützige Stiftung von ganz besonderer Art ist „ethecon Stiftung Ethik & Ökonomie“ in Berlin. Seit nunmehr fünf Jahren lebt sie vor, wie ethische Grundsätze und wirtschaftliche Vernunft zusammengehen können. Auch wenn das vielerorts noch als die Quadratur des Kreises erscheint. Über ihre Ziele sprachen wir in Berlin mit einem der beiden Gründer, dem Diplomkaufmann Axel Köhler-Schnura.
Gedankensplitter aus dem Interview:
- Ethische Prinzipien stehen der Ökonomie nicht gegenüber wie das Feuer dem Wasser. Sie lassen sich sehr wohl harmonisch mit einem System wirtschaftlichen Handelns verbinden. Selbstverständlich nicht mit dem kapitalistischen.
- Tatsache ist, dass sich immer mehr Menschen nach dem Schock von 1990 nicht mehr damit abfinden wollen, dass der Kapitalismus das „Ende der Geschichte“ ist.
- Das Problem ist nicht das gesellschaftliche Symptom. Das Problem ist das ökonomische System. Der private Vorteil für den Einzelnen muss durch den Vorteil für alle abgelöst werden.
- Widerstand gegen Umweltzerstörung, Ausbeutung und Krieg benötigt neben Wissen, Engagement, Prinzipienfestigkeit und einem langen Atem auch finanzielle Mittel. Wir müssen immer wieder erleben, wie Projekte, die auf die Veränderung des Systems selbst abzielen, gänzlich ohne finanzielle Unterstützung bleiben und deshalb nicht durchgeführt werden können. Die Stiftung „ethecon“ setzt genau hier an.
- Da Geld bekanntlich selbst kein Geld erzeugen kann, müssen die Mittel, die unsere Stiftung für gute Zwecke einsetzt, von anderen erarbeitet werden. So sind die Regeln, die auch wir nicht außer Kraft setzen können. Aber: Es macht einen erheblichen Unterschied, ob Geld über die Direktbank einer „Heuschrecke“ zugute kommt, ob es über eine Sparkasse in einem Rüstungskonzern landet oder aber ob es über die leider einzige Alternativbank in Deutschland in die Biolandwirtschaft fließt.
- Steuerabzugsfähige Spenden für „ethecon“ sind - wenn man so will - eine reale Möglichkeit, wirksame Konzern- und Globalisierungskritik über die jährliche Steuererklärung zu finanzieren.
- Für unsere Stiftung ist die Zusammenarbeit mit ähnlich orientierten Organisationen und Initiativen selbstverständlich. Die Durchsetzung eines Solidarsystems wird nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung möglich sein, die sich auf die Mehrheit der Bevölkerung stützen kann. Deshalb wirken bereits heute in der Stiftung unterschiedliche Kräfte mit, unter denen auch fortschrittliche Christen stark vertreten sind. Bei aller Bewahrung von Vielfalt und Unabhängigkeit sollten wir die Frage des Zusammenwirkens gesellschaftskritischer Organisationen und Institutionen künftig viel stärker noch als bisher in den Mittelpunkt rücken.
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