Neue Ausgabe Oktober/November/Dezember 2009

Die neue Ausgabe ist seit 29. Oktober 2009 im Bahnhofsbuchhandel und über Internetbestellung erhältlich.

Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Editorial

03.08.2009


Die Ihnen vorliegende Ausgabe bringt einige Neuerungen.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, z. B. ins Impressum schauen, werden Sie Namen von Wissenschaftlern finden, die einen Beirat für „PROVOkant“ gebildet haben. Sie wollen und sollen die Redaktion künftig mit Rat und Tat unterstützen. Ferner stellen wir einige Zeitschriftenseiten Organisationen zur Verfügung, die uns in unserem Anliegen, eine gesündere Gesellschaft zu befördern, Verbündete sind. Einige davon kennen Sie bereits aus Interviews in bisherigen Heften, andere werden wir demnächst vorstellen. Auf den Seiten 33 und 34 beispielsweise drucken wir einen Aufruf des Vereins „Mehr Demokratie“ ab. Die Bürger werden darin aufgefordert, einen Vorstoß zu unterstützen, durch eine Ergänzung des Grundgesetzes Volksabstimmungen auch auf Bundesebene möglich zu machen. Hätte diese Bürgerbewegung letztlich damit Erfolg, könnte die Demokratie in unserem Lande einen entscheidenden Schritt nach vorn tun. Fragen, die die Lebensinteressen der Bevölkerung unmittelbar berühren, könnten dann mehr als bisher im Interesse der Menschen entschieden werden. Auch wäre es vielleicht ein gangbarer Weg, die verbreitete Politikverdrossenheit zu überwinden und dem bisher wesentlich nur repräsentativen, d. h. über Parteien vermittelten Mechanismus der gesellschaftlichen Willensbildung neue Impulse zu geben. Deshalb bitten wir Sie, diese beiden Seiten nicht einfach in der Eile zu überblättern, sondern sich mit ihrem Inhalt vertraut zu machen und - wenn Sie denn mit dem Ziel einverstanden sind - herauszuschneiden, auszufüllen, zu unterschreiben und an „Mehr Demokratie e. V.“ nach München zu schicken.

Wir haben bereits in unserer letzten Ausgabe die Frage aufgeworfen, warum die zahlreichen Vereine, Organisationen, Bürgerinitiativen und Stiftungen, die alle mit viel Tatkraft Veränderungen zum Besseren anstreben, „unterm Strich“ so wenig oder mitunter gar nichts am Gang der politischen Dinge ändern. Über die Ursachen dieser Kalamität wollen wir auch künftig mit kompetenten Menschen sprechen. Unsere eigenen Erfahrungen besagen aber, dass diese Art Ohnmacht bzw. Machtlosigkeit wesentlich daraus resultiert, dass alle diese überaus engagierten Bürgergruppen in den allermeisten Fällen völlig isoliert voneinander agieren. Das betrifft nicht nur das Gros der lokalen Initiativen, sondern selbst größere, ja, große Vereinigungen und Organisationen. Jede „bestellt ihren eigenen Acker“ (was sicher die erste Voraussetzung für jeden Erfolg ist), aber hat meist noch nicht einmal einen Blick für das Feld der anderen, geschweige denn verständigt sie sich darüber, was wohl gemeinsam zu bereden und zu tun wäre. Etablierte Strukturen hatten von jeher die Tendenz, sich zu konservieren und Änderungsversuche, vor allem, wenn sie „von unten“ kamen, abzuwehren. Das „Divide et impera!“, also „Teile und herrsche!“ der alten Römer war dafür stets ein probates Mittel. Indes mag es so scheinen, als ob in vielen Fällen die Arbeit des Dividierens gar nicht mehr nötig ist. Wenn Sie den Hauptbeitrag dieser Ausgabe lesen und in Ihnen vielleicht Empörung über Zustände in unserem Gesundheitswesen hochkommt, dann konfrontieren Sie sich einmal mit der Frage, warum z. B. Mediziner, die viel daran setzen, grundsätzliche Änderungen zu bewirken, in so viele Organisationen zersplittert sind, die kaum oder gar nicht kooperieren. Diese fatale Situation gibt es auch auf zahlreichen anderen Gebieten des gesellschaftspolitischen Diskurses. In dem Bemühen, darüber das Nachdenken anzuregen und einiges anders zu machen, wollen wir auch weiterhin provokant sein.

                                                                              Günter Baumgart

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