Neue Ausgabe Oktober/November/Dezember 2009

Die neue Ausgabe ist seit 29. Oktober 2009 im Bahnhofsbuchhandel und über Internetbestellung erhältlich.

Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Bedrohliches

Gerüchte oder dunkle Wolken?

03.08.2009


Thomas-Max-Müller, pixelio.de

Sieben Fragen an die Verantwortlichen:
Was ist die Wahrheit über den Codex Alimentarius?

Wer kennt schon den „Codex Alimentarius?“ Er existiert bisher eher im Verborgenen und scheint doch erhebliche Auswirkungen auf die menschliche Ernährung und Gesundheit zu haben. Herausgegeben wird er von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen. Er enthält eine Sammlung von Normen für die Lebensmittelsicherheit und Produktqualität und regelt so wichtige Bereiche wie Lebensmittelkennzeichnung, Grenzwerte für Giftstoffe, Rückstände aus Land- und Viehwirtschaft und Herstellungsverfahren. Die Verbraucher könnten damit, so jedenfalls war es die Absicht seiner Initiatoren, weltweit besser geschützt werden. Derzeit findet jedoch, vor allem im Internet, eine intensive Diskussion darüber statt, ob diese Sammlung von Richtlinien dafür missbraucht werden soll, weltweit die Ernährungsweise der Bevölkerung, darunter auch der in den EU-Staaten, zu reglementieren. Dahinter vermuten die Kritiker Profit- und Machtinteressen. Gewarnt wird vor einer übermäßigen staatlichen Einflussnahme auf alternative Heilverfahren und vor einer Beschneidung des Rechtes zur Selbstbestimmung bei der Ernährung.

Nun, das Internet ist in der Demokratie mittlerweile eine bedeutende Institution geworden - ein wichtiges Stück Öffentlichkeit und dadurch ein Machtinstrument, dessen sich die unterschiedlichsten Kräfte der Gesellschaft bedienen. Es kann informieren, aber auch desinformieren, vermag aufzuklären oder zu verwirren. Warnungen in diesem Medium können durchaus Ausdruck einer realen Bedrohung sein. Wenn allerdings deren Ausmaß unvorstellbar erscheint, wie im Falle des Codex, mag man ihnen vielleicht gar nicht glauben. Mit bewussten Übertreibungen kann auch eine Art Pappkamerad aufgebaut werden, der sich umso leichter abschießen lässt.

Informationen und Desinformationen des Internets sollten deshalb - wenigstens bei bedeutenden Themen - von der Gesellschaft kritisch hinterfragt und zum Gegenstand streitbarer Anhörungen gemacht werden. Die politisch Verantwortlichen sind deshalb aufgefordert, in der Diskussion um den „Codex Alimentarius“ für Klarheit zu sorgen und Unsicherheiten zu beseitigen. Ihre Auskünfte sollten verständlich, eindeutig und in ihrem Gehalt letztlich einklagbar sein. Zumindest politisch, also bei Wahlen. Wichtig erscheinen uns folgende Fragen:

„PROVOkant“ leitet diese sieben Fragen an die zuständigen Ministerien und an die Fraktionen der im Bundestag vertretenen politischen Parteien. Wir warten noch vor den Bundestagswahlen auf klare Stellungnahmen. Denn nur mit absoluter Transparenz kann beunruhigenden Gerüchten der Wind aus den Segeln genommen werden. Oder hat man etwas zu verbergen?

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