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Aufgelesenes
03.08.2009

Eingeständnis: 95 Prozent der aggressiven Brustkrebs-Behandlungen sind sinnlos.
“Von 100 Patientinnen, die eine vorbeugende Chemotherapie bekommen, um Metastasen im Körper zu zerstören, brauchen nur fünf Frauen diese Behandlung wirklich“, schrieb die Zeitung „Die Welt“ in ihrer Ausgabe vom 2. Juni dieses Jahres. Das heiße, „95 Patientinnen sind allein durch die Operation und eine anschließenden Strahlen- oder Tablettentherapie geheilt. Die Chemotherapie ist bei diesen Frauen - rund 10.000 pro Jahr allein in Deutschland - völlig überflüssig.“ Abgesehen davon, dass es z. B. auch über die Notwendigkeit einer Strahlentherapie unter Onkologen unterschiedliche Meinungen gibt, kommt das zitierte Eingeständnis reichlich spät und trägt vor dem Hintergrund der seit Jahrzehnten bekannten kritischen Haltung alternativer Krebsärzte zur angeblichen Notwendigkeit aggressiver Zellgifttherapien schon Züge eines Skandals. Die Zeitung zitiert in diesem Zusammenhang die Kölner Professorin Nadia Harbeck, die einräumte, dass aufgrund der relativ geringen Aussagekraft der Tumormarker und der Geschwulstgröße für die Aggressivität der Krebszellen und den zu erwartenden Verlauf der Krankheit „die Entscheidung, ob eine Chemotherapie erforderlich ist oder nicht“ oft „aus dem Bauch heraus“ falle.
Diese Situation könne sich jetzt grundlegend ändern. Ein an der Universitätsklinik in München auch von Frau Prof. Harbeck mit entwickelter Biomarkertest kann Aufschluss darüber geben, ob ein Tumor „streuen“ wird oder nicht. Dieses wichtige diagnostische Instrument wurde, wie die „Welt“ berichtet, kürzlich auf dem weltweit größten Krebskongress in Florida (USA) präsentiert.
Bisher finde man diesen Test aber nur in wenigen deutschen Brustzentren, schreibt die Zeitung. Einer der Gründe dafür sei, dass dafür ein Teil des entfernten Tumors unmittelbar nach der Operation schockgefroren werden müsse, was vielen Ärzten zu aufwendig sei. Der zweite Grund liege in der Finanzierung. Die Krankenkassen, heißt es, würden bis dato die Kosten in Höhe von etwa 200(!) Euro nicht übernehmen. Ein Irrsinn, angesichts der Tatsache, dass jede Chemotherapie, die man doch dadurch einsparen könnte, im ambulanten Bereich bis zu 10.000 Euro kostet. Es stellt sich darum die Frage, ob diese Art der Zurückhaltung mangelhafter Mathematik oder aber einem ökonomischen Denken geschuldet ist, das anderen Interessen dient.
F.S.