Diskurs Elektosmog
Angriff auf die Matrix des Lebens
03.11.2009

Ramona Heim, fotolia.com
Es gilt nicht gerade als abwechslungsreich, wenn eine Zeitschrift nachgerade in jeder ihrer Ausgaben das gleiche Thema „aufwärmt“. Allerdings gibt es Probleme, deren Lösung nicht nur besonders wichtig ist, sondern auch einen sehr langen Atem erfordert. Eines davon ist die zunehmende Überflutung unseres Lebensraumes mit technischen elektromagnetischen Feldern - Gegenstand unserer Beitragsfolge „Diskurs Elektrosmog“. Einerseits sind sich große Teile der Bevölkerung der damit verbundenen Gefahren noch gar nicht bewusst, und andererseits tut vor allem die Mobilfunkindustrie alles dafür, negative Auswirkungen für Mensch und Umwelt zu leugnen. Deshalb werden wir weiterhin sowohl Aufklärungsarbeit zu diesem Thema leisten müssen als auch publizistisch die Aktivitäten jener Bürgerinitiativen unterstützen, die den Mobilfunkgefahren wehren wollen und dabei von ihrem Recht auf friedlichen Widerstand Gebrauch machen.
In unserer letzten Ausgabe fragten wir den Präsidenten des Europäischen Berufsimkerbundes Walter Haefeker, inwieweit der dichter werdende Elektrosmog auch die Imker beunruhigt, die mit einem bedenklich zunehmenden Bienensterben zu kämpfen haben, wesentlich auch bedingt durch die Umweltverschmutzung mit giftigen Chemikalien. Nach Haefekers Einschätzung hat das Thema Elektrosmog „im Vergleich zu den Problemen, die sich aus der intensiven Landwirtschaft ergeben, noch keinen hohen Stellenwert“. Entwarnung könne er aber nicht geben. Dass dieser Vorbehalt mehr als begründet ist, erfuhren wir von Dr. rer. nat. Ulrich Warnke, einem Wissenschaftler der Universität des Saarlandes, der mit eigenen Forschungen die gefährlichen Folgen von Elektrosmog nicht nur für Bienen, sondern für sehr viele unserer Mitgeschöpfe und für uns selbst überzeugend nachgewiesen hat.
Gedankensplitter aus dem Interview:
- Ohne Frage haben wir es beim Bienensterben mit einer Vielzahl von Ursachen zu tun: Pestizide, Monokulturen, die Varroa-Milbe, gebeiztes Saatgut, genveränderte Pflanzen, aber auch strenge Winter oder die Wander-Imkerei. Doch all diese negativen Einwirkungen werden zu einem wirklichen Problem für die Bienen, weil durch die nahezu flächendeckenden und sich überlagernden elektromagnetischen Felder technischer Herkunft eine noch völlig unterschätzte Milieuveränderung vor sich geht, die den Bienen, aber auch anderen lebenden Organismen erheblich schadet.
- Wir haben in Laborversuchen das Verhalten der Bienen in künstlich aufgebauten elektrischen Feldern untersucht. Nach und nach erhöht sich die Temperatur im jeweiligen Volk. Ihr Verteidigungsverhalten, das die Natur bei ihnen gegen Fremde entwickelt hat, beginnt sich gegen die eigenen Individuen zu kehren. Sie erkennen sich nicht mehr und stechen sich quasi gegenseitig ab.
- Die Leistungsflussdichte der natürlichen Strahlung an der Erdoberfläche in dem hier interessierenden Frequenzbereich liegt etwa bei einem Tausendstel Mikrowatt pro Quadratmeter. Der heute typische technisch aufgebaute Strahlungspegel in den Städten hingegen beträgt etwa 10.000 Mikrowatt pro Quadratmeter. Die geltenden deutschen Grenzwerte lassen für das D-Netz sogar Werte bis 4,5 Millionen, für das E-Netz bis 9 Millionen, für UMTS bis 9,8 Millionen Mikrowatt pro Quadratmeter zu. Wir bewegen uns also auf einer Ebene der Strahlungsintensität, die gegenüber der natürlichen um das Zehnmillionen- bis Milliardenfache höher liegt.
- Eine Million bis eine Milliarde Jahre hatten die Lebewesen in ihrer stammesgeschichtlichen Entwicklung Zeit, sich den magnetischen und elektromagnetischen Bedingungen auf der Erde anzupassen. Die Organismen „lernten“ es, die verschiedenen Felder als Vermittler bzw. Träger einer Vielfalt von Informationen zu nutzen - zur Kommunikation zwischen ihnen, aber auch zwischen den Organen und den Zellen. Man kann sich gut vorstellen, wie dieser „Funkverkehr“ von unserem geradezu grobschlächtigen Sendebetrieb gestört wird.
- Gegenwärtig überlagern sich zunehmend mehr Wellen, denn die Zahl der Strahlungsquellen steigt sprunghaft an. Der Elektrosmog wird immer dichter. Wir verändern damit die Matrix des Lebens auf unserem Planeten. Vertreter von Industrie und etablierter Wissenschaft sehen diese Gefahr aber nicht. Die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen hat bereits viele Arten für immer ausgelöscht. International gibt es dazu genügend wissenschaftliche Literatur. Die Verantwortlichen für die Ausweitung und Intensivierung der technischen Felder hätten es also wissen können.
- Die Verschmutzung der Umwelt mit technischen elektromagnetischen Feldern ist deshalb so gefährlich, weil man sie nicht sieht, nicht hört und nicht riecht. Von den Elektrosensiblen unter uns, deren Leiden für die Gesellschaft völlig zu Unrecht eine offenbar vernachlässigbare Randerscheinung bleiben, einmal abgesehen, kriegen wir die schädlichen Folgen dieser Art von Verschmutzung im Alltag noch nicht mit. Sie werden vor allem und auf jeden Fall den nachfolgenden Generationen mit aller Härte präsentiert werden.
- Es ist ein Skandal, dass die Politik einfach darüber hinweggeht, obwohl sie dazu verpflichtet wäre, unsere Bevölkerung vor solchen Schäden zu bewahren.
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