Neue Ausgabe Oktober/November/Dezember 2009

Die neue Ausgabe ist seit 29. Oktober 2009 im Bahnhofsbuchhandel und über Internetbestellung erhältlich.

Mit Beihefter "Krebs als Chance"

Aufgelesen

03.11.2009


Tomasz Cwiklinski, fotolia.com

Tamoxifen erhöht das Risiko für Zweittumoren

Tamoxifen ist ein Hormonblocker, der vielen Brustkrebspatientinnen verordnet wird, wenn der Tumor östrogenabhängig ist. Eigentlich soll dieses Medikament die Entstehung neuer Tumoren verhindern. Nach Forschungsergebnissen des Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, USA, steht es allerdings jetzt im Verdacht, bei langjähriger Einnahme das Risiko einer bestimmten Form von Zweittumoren in der Brust sogar noch  stark zu erhöhen. (Quelle: Apotheken-Umschau, 26. 08. 2009, V. v. Blumenschein, Cancer Research)

Auch für diesen Fall gilt also wieder die Erfahrung: Man sollte sich über eine verordnete Therapie immer hinreichend informieren und bereits im Vorfeld der Behandlung deren Vor- und Nachteile  gut abwägen.

Pharmakonzern sponsert positive Bewertung

Die Negativschlagzeilen um das hochgelobte HPV-Impfmittel Gardasil reißen nicht ab. In letzter Zeit haben sich - auch auf Seiten der Schulmedizin - immer mehr Kritiker, zu Wort gemeldet, die den Nutzen der Impfung infrage stellen. Am 24. August berichtete Spiegel-online, dass zwei der wichtigsten Studien zu Gardasil von Pharmafirmen gesponsert wurden und auch US-Fachgesellschaften finanzielle Unterstützung erhielten, damit sie in Vorträgen für den Impfstoff werben. Weiter heißt es: „Laut den Recherchen der Rothmanns hat etwa die ASCCP mit dem Geld von Merck das Programm „Educate the Educators“ („Lehrt die Lehrer“) ins Leben gerufen. In diesem Rahmen wurden Ärzte offenbar dazu angehalten, öffentliche Ämter und Regierungsstellen zu überzeugen, die Impfung zu bezahlen“. Des Weiteren soll Lehrmaterial an Ärzte herausgegeben worden sein, in dem „Warnhinweise zu den Impfungen weggelassen“ worden seien. Auch in Deutschland formierten sich in jüngster Zeit namhafte Wissenschaftler, die in einem Manifest kritisierten, „die Impfung sei übereilt eingeführt worden, die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt und das Ausmaß der Nebenwirkungen unbekannt“. (Quelle: Spiegel-online, 24. 08. 2009)

Lassen wir uns überraschen, wie es in diesem „Meisterstück“ weitergehen wird.

Deutsche überschätzen Krebs-Früherkennung

Wie in der online-Ausgabe der Aachener Zeitung im August zu lesen war, haben Untersuchungen gezeigt, daß die Früherkennung von Brust- und Prostatakrebs in Deutschland überschätzt wird. Die Frage, wie viele von 1000 Frauen weniger an Brustkrebs sterben, wenn sie an einem Screening teilnehmen, beantworteten bei Umfragen in der Bevölkerung fast 14 % mit der Annahme, dass dadurch rund 200 Frauen weniger sterben. Herr Gigerenzer, Professor für Psychologie, ist über dieses Meinungsbild bestürzt. Nach seinen Angaben sterben an Brustkrebs von 1000 Frauen über 50 Jahren ohne Screening 5, hingegen mit Screening immer noch 4. Demzufolge profitiert also nur eine von 1000 Frauen von der Früherkennung. Eine Zahl, die weder von den Medien noch von den Ärzten vermittelt wird. Ohne eine korrekte Information, so der Professor, könne es aber “keine mündigen Patienten geben“. Gigerenzer folgerte weiterhin: „Wir sind weit weg von einer Gesellschaft, die auf Risiken intelligent reagiert.“ Fraglich sei zum Beispiel, wie sinnvoll es bei knappen Gesundheitsbudgets ist, ein teures Screening mit „kleinem Nutzen“ aufrecht zu erhalten. (Quelle: AZ-Web.de, 11.08.2009)

Alternativ zum Mammographiescreening besteht nach wie vor die Möglichkeit, Früherkennungsuntersuchungen mit Thermoregulationsthermographen - auch Mammovision genannt - durchzuführen (siehe dazu unsere vorige Ausgabe). Diese Methode kommt ohne Strahlenbelastung und ohne das Zusammenpressen des hochempfindlichen Brustgewebes aus. Die meisten Brusttumoren werden ohnehin von den Frauen selbst ertastet.

US-Pharmafirma ließ geschönte Studie von Ghostwritern schreiben

Seit Jahren ist es gängige Praxis, bei Wechseljahresbeschwerden auf Hormonersatzpräparate zurückzugreifen. Hitzewallungen, Herzrasen und Schweißausbrüche sollen so wirksam gelindert werden. Ein „Nebeneffekt“ dabei ist jedoch, daß durch die Einnahme von Hormonersatzpräparaten das Risiko für Brustkrebs, Demenz und Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöht wird - eine Tatsache, die vielen Patienten, aber auch Ärzten, bislang unbekannt war. Wie es dazu kommen konnte, daß solche Risiken bis heute unerwähnt blieben, zeigt uns die Vorgehensweise des US-Pharmakonzerns Wyeth. Die „New York Times“ berichtete, dass Wyeth hohe Summen an PR-Firmen gezahlt haben soll, damit diese positiv über die Vorteile der Hormonersatztherapien schreiben und die Risiken herunterspielen. Unter die fertigen Berichte setzten anschließend Mediziner nur noch ihren Namen. Eine im Jahr 2003 verfasste Publikation über die Therapie von nächtlichen Schweißausbrüchen und Hitzewallungen, verfasst von der Firma Design Write und unterschrieben von Gloria Bachmann, Professorin für Gynäkologie und Geburtshilfe, erschien zwei Jahre später mit fast identischem Wortlaut im „Journal of Reproductive Medicine“. Das Prekäre dabei war jedoch, daß bereits drei Jahre zuvor Untersuchungen gezeigt hatten, dass Hormone bei gesunden Frauen in der Menopause gefährliche Auswirkungen haben können. Im Jahre 2002 musste eine Studie mit 17.000 Teilnehmerinnen abgebrochen werden, weil die Präparate die Risiken für Brustkrebs, Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich erhöhten. (Quelle: Spiegel-online, 05. 08.2009)

Dies ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass es einigen Pharmafirmen nicht ausschließlich um das Wohl der Allgemeinheit geht, sondern die eigenen finanziellen Vorteile im Vordergrund stehen. Ob es sich hierbei nur um einen „bedauerlichen“ Einzelfall handelt, sei dahingestellt.

Bei Prostatakrebs: entspanntes Abwarten

Prostatakrebs, im frühen Stadium entdeckt, muss nicht mit aggressiven Therapien behandelt werden. Gerade in diesem Stadium raten Ärzte oftmals abzuwarten und zu beobachten, wie sich die Erkrankung weiter verhält. Gerade Prostatakrebs ist ein insgesamt eher recht langsam wachsender Tumor. Dass die Mehrzahl der Patienten mit dieser Vorgehensweise gut beraten ist und auch gut damit umgehen kann, zeigt eine Studie von der Universität Rotterdam. Befragt wurden 150 Männer mit der Diagnose Prostatakrebs, die nach Diagnosestellung nur zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen gingen, ohne therapiert zu werden. „80 Prozent der Befragten waren mit der Behandlungsstrategie einverstanden und zeigten nur ein geringes Ausmaß an emotionalem Stress, Sorgen oder Depressionen durch die Erkrankung“.
(Quelle: Focus-online, vom 27. 07. 2009)

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